Im Jahre 1881 hatte Grossbritannien 1986 Zeitschriften, von welchen 378 in London, 1087 in der Provinz, 66 in Wales, 181 in Schottland, 181 in Irland und 20 auf den Kanalinseln erschienen. Unter diesen waren nur 153 Tagesblätter, von welchen 18 London, 94 der Provinz, 3 Wales, 21 Schottland, 16 Irland, 1 den Kanalinseln gehörten. 69 derselben kosteten nur 1/2 Penny, 70 1 Penny, die übrigen waren im Preise verschieden bis zu 3 Pence. Die Post allein versandte im Jahre 1880 131 Millionen Zeitungsblätter, was jedoch nur einen Bruchteil des Konsums, namentlich der Wochenblätter, repräsentiert. Der Daily Telegraph druckte eine amtlich beglaubigte Auflage von täglich 242215 Exemplaren im Durchschnitt; der Standard versandte 209555 Exemplare. Das macht für die zwei Blätter jährlich 135531000 Nummern, während die Gesamtzahl aller Tageszeitungen im Jahre 1851 nur 18 Millionen erreichte, zu welchen die Times allein etwa zweidrittel beitrugen. 1821 brachten es alle Zeitungen und Zeitschriften zusammen auf gegen 25 Millionen Nummern, heute beträgt die Jahressumme Einer Wochenschrift: Lloyds Weekly, bei einer Durchschnitts-Auflage von 612902 Exemplaren, 32 Millionen.

Und dabei, welchen Umfang haben die jetzigen Zeitungen! An einem aufs Geratewohl gewählten Tage, dem 13. Mai 1880, wiesen Times 120 ihrer Riesenspalten auf, davon 80 mit Anzeigen. Daily Telegraph hatte 96 Spalten, von welchen die Inserate 62 in Anspruch nahmen. Daily News und Standard brachten je 64 Spalten, erstere 36 Anzeigenspalten, letzterer 28. Eine Nummer eines Provinzialblattes, The Scottsman in Edinburgh, bestand aus 112 Spalten in Folio mit 33000 Zeilen und über 2 Millionen Buchstaben, etwa doppelt so viel, als ein dreibändiger Roman enthält.

Das Anzeigewesen ist sehr praktisch eingerichtet und man kennt in England nicht das Übermass von Accidenzschriften, Abbildungen u. dgl., von welchem der Inseratenteil der deutschen Zeitungen strotzt. Der Preis einer Inseratzeile ist gewöhnlich 1 sh.

Der telegraphische Verkehr.

Von enormer Bedeutung ist der telegraphische Verkehr der Zeitungen. Es gab eine Zeit, wo die Tagespresse sich rühmte, jetzt nur fünf Monate für die Herbeischaffung von Nachrichten aus Gegenden zu gebrauchen, wozu früher dreizehn Monate gehört hatten. Am 1. Oktober 1880 war 23 Minuten nach der Eröffnung der Welt-Ausstellung in Melbourne die Nachricht davon bereits von Reuters Bureau in London gedruckt ausgegeben, obwohl die Depesche fast durch ein Dutzend Linien hatte gehen müssen.

Im Jahre 1880 wurden 313500000 Wörter für die Zeitungen in England telegraphiert. In einer Nacht beförderte das Hauptamt in London oft 100000 Wörter, wobei der bedeutende Verkehr der Privatleitungen der Zeitungen nicht gerechnet ist.

Grosse Summen werden von englischen Blättern auch auf die Spezialkorrespondenten verwendet, die ebenfalls mit Telegrammen nicht sparsam sind. So erzählt man von einem Korrespondenten in Paris, dass er, um für eine zu erwartende wichtige Nachricht sich die Benutzung des Drahtes vorher zu sichern, stundenlang ganze Kapitel aus der Bibel telegraphiert habe.


Statistik der Buchdruckerei.

Die Anzahl der Buchdruckereien in Grossbritannien wird auf 4000 geschätzt. England besitzt eine verhältnismässig kleinere Zahl von Schnellpressen, was sich durch die grosse Leistungsfähigkeit der neuen Rotationsmaschinen erklärt. Rechnet man die graphischen Nebengeschäfte mit, so ist die Zahl der direkt und indirekt dem Pressgewerbe angehörenden eine enorme. London allein zählte im Jahre 1881 871 Druckereien, 60 Schriftgiessereien, Stereotyp- und galvanische Anstalten, 74 Maschinen- und Utensilien-Fabriken, 32 Farbe- und Walzenfabriken, 231 lithographische Anstalten, 80 Kupferdruckereien, gegen 2000 Papierhandlungen, 400 Buchbindereien, 850 Sortimentshandlungen, 460 Buch- und Musikalienverleger, 950 Zeitungshandlungen, 130 Inseratagenturen.