Die Accidenzarbeiten.

Eine enorme Quantität von Arbeiten zu einem Betrage von jährlich etwa 10 Mill. Mark absorbiert der Staat. Als Beispiel übernahm eine Firma, McCorquodale & Co., eine Lieferung von 2610 verschiedenen Regierungsaccidenzen, in Auflagen, die von 10 bis zu 300000 Exemplaren variierten, ausserdem eine von 40 Millionen Briefcouverts. Die Firma beschäftigte in sechs enormen Offizinen an verschiedenen Orten gegen 2000 Personen und etwa 550 Maschinen aller Art fast nur mit Regierungs- und Eisenbahn-Arbeiten. Eine andere Firma, Harrison & Co., erhielt auf einmal eine Bestellung auf 137 Millionen Telegrammformulare. Grosse Summen setzt jedesmal eine Parlamentswahl in Umlauf. Die beiden Parlamentshäuser beanspruchen für ihre jährlichen Druckarbeiten etwa 1500000 Mark. Die Bank von England druckte im Laufe eines Jahres 15000000 Noten zu einem Geldwert von 338 Millionen £ Sterl. Die Druckarbeiten der Bank mehren sich bedeutend dadurch, dass sie eine an sie zurückgekehrte Banknote, und wenn sie nur eine Stunde in Zirkulation gewesen, nie wieder ausgiebt. Eine solche wird ungiltig gemacht und fünf Jahre aufgehoben. In dieser Weise liegen bis gegen 100 Millionen Noten in einer Weise geordnet, dass eine etwa zur Stelle gewünschte im Augenblick zu finden ist.

Ansehen des Pressgewerbes.

In welcher hohen Achtung das Pressgewerbe in England steht, zeigte unter anderem die imposante Caxtonfeier in London im Jahre 1877 mit ihrer interessanten Ausstellung[62]. In Ermangelung eines Portraits von Caxton beschloss man, von einer Statue zu seiner Erinnerung abzusehen, und stiftete in der Margarethenkirche in Westminster, nahe dem Schauplatz seiner Thätigkeit, ein gemaltes Fenster. Als ein fernerer Beweis von der bedeutenden Stellung der Pressgewerbe muss auch betrachtet werden, dass schnell hintereinander drei Ausüber derselben: der Schriftgiesser Besley, der Buchdrucker Sidney Waterlow und der Drucker und Stationer Francis Truscott das angesehenste bürgerliche Ehrenamt der Welt, das eines Lord Mayors von London, bekleidet haben; es spricht zugleich für den Flor des Geschäfts, denn es ist ein mit grossen Ausgaben verbundenes Amt. Den Kostenanteil für „seinen Tag“ muss der Lord Mayor auf 50000 Mark anschlagen, und es heisst, Sir Truscott habe für die Zeit seiner Amtsführung eine Summe von 10000 Mark wöchentlich als Repräsentationskosten ausgeworfen.


Der Buchhandel.

Der Buchhandel, ohne welchen die Buchdruckerei nicht die eigentliche Blüte erreichen kann, nahm in England, besonders in London, mächtige Dimensionen an und weist eine Reihe der intelligentesten und bedeutendsten Verleger auf. Im allgemeinen ist der Buchhandel weit einfacher organisiert, als in Deutschland. Der Verlagsbuchhändler beschäftigt sich selten mit Buchdruckerei und anderen Nebengeschäften und zersplittert nicht seine Kräfte, behält damit den freien Blick und kann jede Konjunktur rasch benutzen. Kommissions- und Halbpartgeschäfte kommen oft vor, während berühmte Autoren grossartige Honorare beziehen. Der Absatz eines Buches ist rasch durch die mit einem splendiden Diner verbundenen Verlagsauktionen und die Subskriptionen der Zwischenhändler und grossen Leihbibliotheken entschieden. Eine der letzteren, die von Muddie, welche die grösste ist, nimmt nicht selten 1–2000 Exemplare von einem hervorragenden Werke. Durch das Alleinrecht des Verkaufs auf allen Eisenbahnstationen spinnt die grosse Zeitungsanstalt und Buchhandlung von Smith & Son ihre Fäden über das ganze Land. Mit einer Abonnementskarte von ihnen versehen, kann man überall auf den Stationen Bücher leihen und sie wieder auf jeder beliebigen Station abgeben. Die sogenannten Wholesale-booksellers, unter welchen Marshal & Co. die bedeutendsten sind, versehen die eigentlichen Sortimentshändler (Retaillers), welche in der Regel ihren Bedarf nur aus einer Hand beziehen. Bedeutenden Anteil an dem Absatz haben die Stationers (Schreibmaterialienhändler) und die vielen Secondhand-Booksellers. Das deutsche System mit seinen Kommissionssendungen kennt man nicht, weshalb auch die Buchläden in den kleineren Städten nicht so gut assortiert sind, wie dies in Deutschland der Fall ist.

Im Laufe eines Jahres erscheinen zwischen 5–6000 Werke (1881, neue Auflagen ungerechnet, 5406), darunter eine bedeutende Zahl der schönsten illustrierten Reisewerke, Prachtausgaben der englischen Klassiker, philologischen, theologischen und Geschichtswerke und eine grosse Menge von Romanen. Die Zahl ist, wie bei den Zeitungen, eine viel kleinere, als in Deutschland; aber man muss, wie bei diesen, nicht bloss zählen, sondern auch wägen, sowohl was Umfang, als was Auflage betrifft.

Die Stationers Company.

Gegen Nachdruck schützt die Eintragung in die Rolle der Stationers Company und die Abgabe von 5 Pflichtexemplaren. Der Schutz gilt für 42 Jahre — jedenfalls bis zum Tode des Verfassers und 7 Jahre nach demselben. Vor dem Jahre 1709 ist es nicht zu ermitteln, wie viel Bücher jährlich in die Rolle der Stationers Hall eingetragen wurden. Von 1709–1766 betrug die Durchschnittszahl ungefähr 50; im Jahre 1732 war die Zahl auf die tiefste Stufe, 17, gefallen. Beim Beginn dieses Jahrhunderts hatte sie sich wieder auf 3–400 gehoben; 1814 auf 541; 1815 auf 1244; von da ab und bis 1826 blieb die Durchschnittszahl etwa 1000.