Am 18. Mai 1818 erschien die erste Zeitung in einheimischer Sprache „Spiegel von Serampur“ durch den Missionär Marshman. In demselben Jahre erhielt Bombay seine Zeitung in der Gujurati-Sprache.
Die einheimische Presse.
Der Generalgouverneur von Indien, Marquis Wellesley (1798 bis 1805), späterer Lord Wellington, war der Presse nicht sehr zugethan; selbst englische Bücher sah er nicht gern entstehen und gestattete nicht die Anlegung von Buchdruckereien ausserhalb Calcuttas. Ein grösserer Freund der Kunst war Wellesleys Nachfolger, der Marquis Hastings, welcher den „Spiegel von Serampur“ zu einem halbamtlichen Blatte erhob. Auch Lord Amherst trat der Presse nicht feindlich entgegen, doch verblieb sie unter sehr strenger Aufsicht. Zur Errichtung einer Buchdruckerei bedurfte es einer Konzession und zur Begründung einer Zeitung Stellung von Kaution. Erst im Jahre 1835 erhielt Indien, hauptsächlich durch die Anstrengungen des Lord Th. Macaulay, den Genuss der Pressfreiheit, die nun mit Jugendfeuer benutzt wurde. Man griff die Massregeln der Regierung, namentlich die gegen die Weiberverbrennung gerichteten, rücksichtslos an.
Die Zahl der Blätter nahm jedoch nicht in dem Masse zu, wie man hätte vermuten sollen, und steigerte sich wesentlich erst nach der Verbreitung der Lithographie, welche sich mit weit grösserer Leichtigkeit dem Geschmack des Publikums anschmiegen konnte, als die Typographie. Da viele des Lesens unkundig sind, so wird das Vorlesen für grössere Kreise sehr geübt und auf mündlichem Wege verbreiten sich dann die neuen Nachrichten schnell. Die Thätigkeit im Buchhandel ist eine sehr bedeutende und Sanskrit-Werke finden unschwer Verleger.
Nach dem Sipahi-Aufstande 1857 wurden die englischen Behörden zur Unterdrückung jeder Buchdruckerei ermächtigt und viele der letzteren bei dieser Gelegenheit auch geschlossen. Noch bis vor kurzem befand sich die einheimische Presse in strengen Ausnahmezuständen, jetzt ist jedoch eine Änderung eingetreten und der Wunsch der Regierung in London, allen ihren Unterthanen gleiche Rechte zu gewähren, erfüllt. Eine Presskommission hat alle Verhältnisse der Presse mit der Regierung zu regulieren.
Die Presse Indiens.
Von Zeitschriften erscheinen gegen 700, davon der dritte Teil (230) in Landessprachen. Die Auflagen sind durchweg klein, gewöhnlich 350, die höchste Auflage ist noch nicht 2000. Die Versendung geschieht unter Kreuzband. Der Abonnementspreis für Tagesblätter beträgt etwa 40 Mark, für Wochenblätter etwa 4 Mark. Die Einfuhr von Papier ist für das Mutterland ein wichtiger Gegenstand und erreichte 1879 einen Wert von über 2½ Millionen Mark.
In Bengalen haben die einheimischen Blätter einen schweren Stand gegen die englischen. Mehrere der letzteren sind jedoch in Besitz und unter geschickter Leitung von Eingeborenen. In den nordwestlichen Distrikten, zwischen Lucknow und Lahore, erscheinen in der Hindustani- und Urdusprache gegen einhundert, zumteil sehr gut redigierte Zeitschriften. Ziemlich eine ähnliche Zahl, in der Maharati- und Gujurati-Sprache geschrieben, werden in Bombay gedruckt. Die tamulische und Telegupresse in Madras ist nicht von Belang.
Die Bücherproduktion, unter der Führung Bengalens, ist eine sehr bedeutende und erreicht an Zahl fast die Englands. Im Jahre 1878 erschienen 4193 Bücher, davon 576 in europäischen, 3148 in einheimischen Sprachen, 673 in dem klassischen Idiom Indiens. 2495 Schriften waren originale Neuheiten, 340 Übersetzungen, die übrigen Bücher neue Auflagen. Die Theologie erschien mit 1502 Nummern; die Technik mit 961, die Linguistik mit 612; Biographie, Länder- und Völkerkunde, Politik waren nur äusserst spärlich vertreten.