Die Regierungsdruckerei.
Unter den Druckanstalten Amerikas sowohl als unter den Staatsdruckereien anderer Länder nimmt die Regierungsdruckerei[78] der Vereinigten Staaten einen achtunggebietenden Standpunkt ein.
Zuerst wurden die Staatsarbeiten an die, von beiden Häusern gewählten Privatdruckereien vergeben, mit denen man auf Grund bestimmter Preise kontrahierte. Später beliebte man den Zuschlag an den Mindestfordernden, dann wurde zu einer Anstalt geschritten, deren Direktor der Präsident erwählt. Die 1861 bezogenen Räumlichkeiten sind später bedeutend erweitert worden.
Vor der Rebellion der Südstaaten genügten 23, grösstenteils Adamssche, Schnellpressen. Durch 4 Accidenzpressen und einige Liniiermaschinen wurden die kleineren Arbeiten erledigt. Während des Aufstandes nötigte jedoch der Bedarf des Kriegs- und Marinedepartements zur Verstärkung der Kräfte. Obwohl von Liniiermaschinen allein 16 fortwährend beschäftigt waren, mussten manche Arbeiten Privaten übertragen werden. Nachdem jedoch der Kongress bestimmt hatte, dass alle Regierungsarbeiten in der Staatsdruckerei besorgt werden sollten, waren grosse Erweiterungen vorzunehmen.
Das Druckhaus ist ein vierstöckiges, nicht besonders schönes, jedoch gut belichtetes und zweckmässig eingerichtetes Gebäude von 300 Fuss Länge und 60–70 Fuss Breite. Der Druckersaal nimmt die ganze Tiefe und 270 Fuss Länge ein. Die Zahl der Schnellpressen beträgt 63, die der Arbeiter 1200. Die Jahresausgabe für Löhne und Material wird auf etwa 9 Millionen Mark veranschlagt. Die Arbeiten sind in drei Klassen geteilt: Staatsakten, gerichtliche und laufende Arbeiten. Die in der Anstalt gedruckten Werke haben oft einen grossen Umfang, so umfasst das Werk über den Secessionskrieg 96 Bände in Grossoktav. Oft ist rasende Eile notwendig; so wurden die Berichte der Halifax-Fischerei-Kommission 480 Seiten in Oktav in 48 Stunden gesetzt, korrigiert, gedruckt, gebunden und dem Kongress übergeben. Der jährliche landwirtschaftliche Bericht ist ein Band von 800 Oktavseiten und wird in 225000 Exemplaren gedruckt.
Banknotendruck.
Der Banknotendruck unterlag durch Jakob Perkins, der die Herstellung von Stahlplatten einführte, einer bedeutenden Umänderung und Verbesserung. 1818 ging Perkins nach London und arbeitete dort mit dem vorzüglichen Graveur Heath zusammen. Mehrere Sicherheitsmassregeln wurden erfunden, namentlich das Hineinarbeiten von Fäden oder Haaren in das Papier. Die Noten sind, dem Geschmack der Amerikaner gemäss, recht bunt und enthalten vollständige Bilder, ja sogar Schlachtenscenen, in Stahlstich. Sie werden in dem Bureau of Engraving and Printing, einer Abteilung des Schatzamtes, und bei der American Banknote Company ausgeführt.
Die Postkarten liefert laut Vertrag die American Phototype Company in Holyoke. Der Bogen enthält 40 Postkarten. Die Pressen sind mit verschlossenen Zählapparaten versehen, zu welchen nur Regierungsbeamte den Schlüssel haben. Zirkularschneidemaschinen teilen den Bogen viermal der Länge nach, die Längenschnitte werden wieder zehnmal der Quere nach geschnitten. Täglich wird durchschnittlich 1 Million Stück geliefert, die Produktion kann aber auf 1700000 gesteigert werden.
Dass die Versendung von Drucksachen durch die Post eine sehr grosse ist, begreift sich leicht; sie beträgt neben 1100–1200 Millionen Briefen jährlich gegen 750 Millionen Zeitungsnummern und mehr als 300 Millionen andere Drucksachen.
Accidenzdruck.