Der Accidenzdruck setzt in einem Geschäftslande, wie es Amerika ist, enorme Summen in Zirkulation. Nach Einführung der Tretmaschinen ist ein grosser Teil der Arbeiten in die Hände der Stationer (Trittmüller) übergegangen. Bei der Sucht, auffällig zu sein, laufen allerdings manche sonderbare Erzeugnisse unter den Accidenzen mit unter, aber vieles ist auch ausserordentlich schön. Unter den Accidenzdruckern, speziell unter den Farbendruckern, steht W. J. Kelly in hohem Ansehen. Als Herausgeber einer Fachzeitschrift, The Model Printer, macht er zugleich seine Arbeiten der Allgemeinheit der Buchdrucker nutzbar. Einen würdigen Konkurrenten hat er in J. F. Earhart in Columbus. Auch Oscar H. Harpel in Cincinnati, der den glücklichen Gedanken hatte, etwa 700 von ihm O. H. Harpel * 8. Juni 1828, † 20. Nov. 1881.in der Praxis ausgeführte Accidenzen in einem Band Harpels Typograph zu sammeln, genoss eines verdienten Ansehens. Ausser seinem praktischen Musterbuch gab er ein mit grossen Kosten verbundenes Werk heraus: Poets and Poetry of Printerdom. Harpel war eine der ideal angelegten Naturen, die in ihrem Streben nach Vollkommenheit nicht genug das Praktische berücksichtigen, und er erzielte deshalb nicht die Vorteile, die ihm auf Grund seiner Tüchtigkeit und Liebe zur Kunst sehr zu gönnen gewesen wären.

Als Beispiel, welche Summen auf Accidenzarbeiten verwendet werden, sei angeführt, dass ein Kurzwaren-Geschäft in New-Haven für 2000 Exemplare eines Muster-Katalogs gegen 350000 Mark verausgabte. Der Folioband von 290 Seiten mit etwa 700 in der wirklichen Grösse und in den natürlichen Farben ausgeführten Abbildungen kostet allein zu binden 65 Mark für jedes Exemplar. Dabei übersandten die Besteller nach Vollendung des Bandes dem Drucker mit einem sehr verbindlichen Schreiben ein äusserst kostbares Chronometer, ein Zeichen der Anerkennung, wie sie im Geschäftsleben wohl nicht gar zu oft vorkommt.

Die Durchschnittsqualität des Buchdruckes ist eine gute. Man fabriziert in Amerika weniger für besondere Klassen von Lesern, es fehlt deshalb in der Regel einerseits das höchste Raffinement, andererseits ein ungeniertes Sichgehenlassen. Die Schulbücher sind, was nicht genug gelobt werden kann, fast ausnahmslos vortrefflich ausgestattet. Druckt man einmal wirkliche Prachtwerke, so können sie auch den Vergleich mit den besten Erzeugnissen der alten Welt aushalten, z. B. Appletons Picturesque America und Picturesque Europe.


Der Buchhandel.

Über die Ausdehnung des Buchhändlerischen Geschäfts[79] ist es nicht leicht, eine ganz bestimmte Übersicht zu gewinnen, da keinerlei Kontrolle ausgeübt wird. Die Zahl der eigentlichen Buchhändler wird auf etwa 3000 angegeben, darunter sind gegen 800 Verleger. Neun Zehnteile des Verlagsgeschäftes sind jedoch auf höchstens 50 Firmen verteilt. Buchhändler, welche nicht ein ausschliessliches Geschäft aus dem Handel mit Büchern machen, giebt es über 10000.

Bücherproduktion.

Hat die Bücherproduktion auch nicht eine so immense Steigerung aufzuweisen wie die Zeitungsproduktion, so ist sie doch eine sehr bedeutende. Die amerikanische Originallitteratur bietet schon jetzt einen bedeutenden Stoff, daneben werden mit einer, bei lohnenden Aussichten staunenswerten, einer besseren Sache zur grössten Ehre gereichenden Energie die besten Erzeugnisse des Mutterlandes nachgedruckt. Ein internationaler Vertrag mit England lässt immer noch auf sich warten, und obwohl selbst in Amerika gewichtige Stimmen für den Schutz gegen Nachdruck sich erheben, ist doch kaum anzunehmen, dass der „praktische“ Amerikaner sich dem Zwange sobald fügen wird, es wäre denn, dass die Zunge der Interessenwage sich zu seinen Gunsten neigen würde.

Organisation des Buchhandels.