Der eigentliche Ursprung des organisierten Buchhandels in Amerika rührt von der Begründung der Amerikanischen Buchhandlungs-Gesellschaft im Jahre 1801 her. Sie errichtete Comptoire in New-York, Philadelphia und Boston, stellte feste Bedingungen für den Betrieb und war bemüht, durch Preisausschreiben die Fabrikation des Papiers und der Druckerschwärze zu fördern. Doch blieben die Fortschritte des Buchhandels immer noch klein. Die Auflagen wurden selten höher als 5–600 gemacht.
Mit dem Jahre 1830 hatte sich dies schon sehr geändert und später erreichten Werke selbst von grösserem Umfang und hohem Preis grosse Verbreitung. Agassiz' Naturgeschichte Nordamerikas, die über 600 Mark kostete, hatte über 2500 Subskribenten; von Kanes Reise nach den arktischen Regionen wurden 60000 Exemplare abgesetzt, von Murrays geographischer Encyklopädie 50000, von Chambers Encyclopædia of Literature über 100000. 1860 gab es bereits 400 Verleger und der Wert der produzierten Bücher — nicht Zeitungen —, der 1820 10 Millionen Mark betrug, hatte 1860 70 Millionen Mark überschritten. Die Zahl der Buchdruckereien war 1860 bis auf 4000 gestiegen, nachdem sie 1776 40, 1812 400 betragen hatte.
Die Organisation des Buchhandels ist nicht so geschlossen, wie in Deutschland, doch hat die American Book Trade Association einige Ähnlichkeit mit dem Börsen-Verein der deutschen Buchhändler. Die Buchhändler teilen sich in Publishers (Verleger), Jobbers (Kommissionäre) und Retailers (Sortimentshändler), doch sind diese drei Branchen oft in einer Hand vereinigt. Eine besondere Klasse der Verleger bilden die sogenannten Subscription Publishers, welche ihren Verlag nur durch Vermittelung von Agenten vertreiben, von welchen jedem ein gewisses Territorium überlassen bleibt, innerhalb dessen Grenzen er allein den Vertrieb hat. Der Jobber dient als Mittelsmann für diejenigen Sortimenter, die nicht mit den einzelnen Verlegern in Rechnung stehen können oder wollen, und vorziehen, ihren ganzen Bücherbedarf aus einer Hand zu nehmen. Sie kaufen oft tausende von Exemplaren von den Verlegern und verkaufen mit einem mässigen Nutzen.
Einmal im Herbst und einmal im Frühjahr findet eine grosse Bücherauktion statt, in welcher der Sortimentshändler sein Lager versorgt. Die Produktion des Jahres 1877 betrug 4476 Werke, also ungefähr dieselbe Quantität, die England produzierte. Nur einige grosse Firmen schlagen eine universelle Richtung ein, gewöhnlich beschränkt sich eine Firma auf einen Zweig.
Eine für Amerika eigentümliche Institution ist die American News Company. Diese Gesellschaft konzentriert in ihren Händen fast den ganzen Betrieb der periodischen Unternehmungen; ihre Interessen vertritt The American Bookseller. Es ist eine Anstalt, mit der die Journal-Verleger rechnen müssen, die jedoch ihre Macht in loyaler Weise gebraucht.
Fr. Leupoldt.
Um die Förderung der buchhändlerischen Organisation und des Büchervertriebes hat sich der Deutsche Friedr. Leupoldt aus Stuttgart besonders verdient gemacht. Wie in früherer Zeit Deutsche die Buchdruckerkunst durch alle Länder verbreiteten, so sind es in späterer Zeit fast überall Deutsche, die sich um die rationelle Einrichtung der buchhändlerischen Institutionen verdient gemacht und, durch die mühsamen Arbeiten der Inventarisierung, System in den Vertrieb gebracht haben. Die von Leupoldt ins Leben gerufene Publishers Weekly ist die beste bibliographische Zeitschrift Amerikas. Ebenfalls vortrefflich ist sein seit 1876 erscheinendes American Library Journal und sein jüngstes Werk Catalogue and Finding List of all American Books in Print and for Sale. 1881. Eine grosse Erleichterung für den Vertrieb bildet schliesslich die, ebenfalls von Leupoldt in Scene gesetzte, Uniform Trade List Annual, eine in gleichförmigem Äussern durchgeführte Sammlung der Kataloge der Mehrzahl der Verlagshändler, eine Idee, welche in Europa sofort Nachahmung fand, auch den Anstoss zu dem idealern, aber vielleicht weniger praktischen Russellschen „Gesamt-Verlagskatalog des Deutschen Buchhandels“ gegeben hat.
Sower, Potter & Co.
Einige der massgebenden und bahnbrechenden Verleger und Drucker wurden bereits genannt; es mögen zur Charakterisierung noch einige wenige angeführt werden und zwar zuerst das älteste Druckgeschäft Amerikas, dessen Geschichte noch weiter zurückgeht, als die der Vereinigten Staaten selbst und welches zugleich deutschen Ursprungs ist. Ein Teilhaber der angesehenen Firma Sower, Potter & Co. in Philadelphia ist der direkte Nachkomme in fünfter Generation von Christoph Saur (I, S. 274). Wie bereits in ihren ersten Anfängen beschäftigt sich die Firma noch heute hauptsächlich mit dem Druck von Erziehungs- und Erbauungsschriften.
Der Bibeldruck.