Bereits 1847 hatte Marinoni seine berühmte vierfache Maschine für La Presse, der später die sechsfache folgte, geliefert. Im Jahre 1867 baute er für Le Petit Journal eine Maschine, welche stündlich 36000 des in mehreren Exemplaren clichierten Blattes fertigstellte, so dass die damalige Auflage von 350000 Exemplaren durch fünf Maschinen in zwei Stunden beschafft werden konnte. Derartige Druckapparate, in Verbindung mit dem verhältnismässig geringen Umfang der französischen Blätter, der typographischen Genügsamkeit des Zeitungspublikums und der Unsicherheit der Presszustände verursachte, dass die mächtigen und kostspieligen Rotationsmaschinen bei weitem nicht die Bedeutung für Frankreich wie für England und Amerika hatten. Dass Marinoni jedoch den Bau derselben nicht unterlassen würde, verstand sich von selbst, und er besitzt bereits siebzehn Patente auf solche. Seine Rotationsmaschinen unterscheiden sich von den anderen hauptsächlich durch die Lage der Satz- und Druckcylinder, die über einander angebracht sind[92]. Von seinen kleineren Maschinen sind namentlich die Universelle (1850) und die Indispensable (1853) weit verbreitet. Bis zum Jahre 1880 hatte er 6539 Maschinen für typographische Zwecke und 410 Dampfmaschinen gebaut. In Deutschland ist Marinoni bald hoch belobt, bald sehr getadelt worden; Thatsache ist wohl, dass er einer der genialsten Constructeure der Jetztzeit ist.
P. Alauzet * 15. Juni 1816, † 22. Jan. 1881.
Als an Tüchtigkeit Marinoni gleichkommend, in Eleganz und Nettigkeit selbst in den unwesentlichen Teilen der Arbeit ihn übertreffend ist Pierre Alauzet zu nennen. In Rodez geboren, war er bis zu seinem achtzehnten Jahre Landarbeiter und kam ohne die geringsten mechanischen Kenntnisse bei dem Pariser Pressenfabrikant Normand in Arbeit. Nach vollendetem Tagewerk besuchte er die Schule und holte das ihm Fehlende so gut nach, dass er sich 1846 etablieren konnte. Bekannt sind namentlich seine Schön- und Widerdruckmaschinen für feine Werk- und Illustrationsarbeiten, die auch in dem Süden Deutschlands Eingang fanden. Dem Abschmutzen des Schöndruckes beim Übergang auf den Widerdruckscylinder wird mittels Durchlassens von Schmutzbogen begegnet.
Von seinen 2500 Schnellpressen ist fast nicht eine ganz wie die andere gebaut, da er unermüdlich bestrebt war, Verbesserungen anzubringen. Für die Petite République Française lieferte er eine Rotationsmaschine für zwei Meter breites Papier, welche stündlich 70–80000 Exemplare des Blattes druckt; mit der für Illustrationsdruck bestimmten hat er erst nach vielen Versuchen befriedigende Resultate erzielt.
A. B. Dutartre u. a.
A. B. Dutartre und andere lieferten Maschinen mit mouvement varié, deren Druckcylinder während der Zeit, in welcher er den Druck übt, sich langsamer bewegt und solche, deren Druckcylinder so langezeit ruht, wie das Fundament gebraucht, um zum zweitenmal unter dem Farbenwerk hin- und zurückzugehen, damit die Einfärbung verstärkt werde. Seine Zweifarben-Maschinen gewannen allgemeine Anerkennung.
Für vier Farben bauten Prudon & Co. eine Presse, bei welcher die Formen hinter einander liegen; hierdurch wurde eine Länge von sieben Metern erforderlich, die den Eingang dieser Maschinen hinderte.
Lithographische u. Kupferdruckmaschinen.
Als Verfertiger lithographischer Maschinen erwarb Th. Dupuy Ruf. Marinoni baute ebenfalls solche, die zugleich für typographischen Druck zu verwenden waren. Sie arbeiteten zwar sehr gut, die Umänderung von einer Druckweise zur andern erforderte jedoch viel Zeit und diejenigen Offizinen, welche Lithographie mit Typographie verbanden, waren in der Regel auch in der Lage, besondere Maschinen für die verschiedenen Zwecke anzuschaffen.
Jules Derriey, der Bruder des genialen Schriftgiessers Charles, erwarb sich Verdienste durch seine Zeitungsmaschinen von sehr einfacher Konstruktion mit Cylinderfärbung nach deutscher Art und baute auch Rotationsmaschinen[93]. Bekannt sind weiter für Zeitungsmaschinen A. Y. Gaveaux, für einfache Schnellpressen H. Voirin und Maulde & Vibart. Auf Laien machte auf allen Ausstellungen die kleine, sehr niedliche Visitenkartenpresse von G. Leboyer grossen Eindruck[94].