„Mit der Zeit wurde er älter und älter. Seine Tochter starb, und ihr Sohn wuchs zu einem bösen Jungen heran. Von Zeit zu Zeit fand er sich auch bei dem Großvater ein und sprang nicht schlecht mit ihm um. Aber er bekam nicht mehr von ihm heraus als die Mutter. Der alte Geizhals schwur, ihn enterben zu wollen; aber der junge Bursche erklärte, er werde einst doch noch in den Besitz des Geldes gelangen; und dann werde er schon dafür sorgen, daß es unter die Leute käme. Schließlich wagte der Alte es gar nicht mehr, ihn hereinzulassen, seitdem er eines Tages bemerkt hatte, wie der Bursche der großen Truhe einen verdächtigen Blick zuwarf. Er hatte wohl Angst, ermordet oder beraubt zu werden; und dem jungen Mann war eine solche Tat ja gewiß zuzutrauen. Der Wucherer hielt denn auch oft Selbstgespräche, er wolle ein Testament aufsetzen und all sein Geld einer Stiftung vermachen, damit nur der Enkel es nicht bekäme. Aber er konnte sich dennoch nicht entschließen und dachte auch immer, es eile wohl nicht; so gesund, wie er sei, könne er noch viele Jahre leben.“

„Starb er denn?“ fragte der Adler.

„Gewiß. Die Menschen sterben alle. Aber ihn überkam der Tod auf seltsame Art; er hätte sich kein glücklicheres Ende wünschen können. Denn als er gerade eines Abends in uns wühlte, uns gegen den Tisch klirren ließ, um sich an unserm guten Klange zu erfreuen, uns gegen das Licht hielt, damit wir ordentlich funkelten, uns zählte und in Häufchen aufstellte und vor Freude wie ein Kind lachte — gerade in dem Augenblick sank sein Kopf auf den Tisch, und er war sofort tot.“

„Grauenhaft!“ rief der Adler. „Er war ein schlechter Mensch!“

Die, die Glück gehabt hatten, waren fortgezogen....

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GRÖSSERES BILD]

„Schon möglich,“ sagte der Dukaten. „Ich halte keine Moralpredigt. Ich weiß nur, daß ich und meine Kameraden ihm Freude bereitet haben. Hätte er seiner Tochter nur ein paar von uns gegeben, so hätte er auch sie froh gemacht. Also Kummer brachten wir nur denen, die uns nicht hatten.“

„Wie grauenhaft du sprichst!“ sagte der Adler. „Wieviel Unglück hat der alte Wucherer über andre Menschen gebracht, bloß um seine Goldstücke einzusammeln!“