Es ging so zu, daß da ein Mann war, der einst ein glückliches Leben auf der schwarzen Erde geführt hatte, dort, wo die Wälder und das Getreide und die Rosen wachsen. Doch dann war ihm etwas Böses widerfahren, so daß er es in seiner Heimat nicht mehr aushielt. Er meinte, den Rest seines Lebens da zubringen zu müssen, wo es wild und öde und unheimlich war. Darum erbaute er sich ein kleines niedriges Haus, so nahe am Strande, wie nur möglich, zwischen zwei Dünen, auf denen nur Sandhaargras und kleine Weidenbüsche und dergleichen armselige Pflanzen wuchsen. Vom Fenster aus konnte man über das weite Meer blicken, das manchmal ein ohrenbetäubendes Gebrüll erhob. Man konnte ein weites Stück am Strande entlanggehen, ohne ein Haus oder einen Garten zu sehen.
Nun war es so um den Mann bestellt, daß er sich trotzdem nach dem, was er verloren, sehnte. Darum hatte er sich einen kleinen Garten angelegt, der ihn viel Geld und Arbeit kostete. Von weit her ließ er schwere Fuhren Erde kommen, die die Pferde kaum durch den Sand ziehen konnten. Er pflanzte, säte und schützte die jungen Keime vor dem Sturm und der Kälte, die vom Meere herüberkamen. Nachdem viele Jahre verstrichen waren, hatte er das Ziel seiner Wünsche erreicht und konnte an schönen Sommertagen im Schatten seiner grünen Bäume sitzen, seine Rosen pflücken und an die großen Wälder von einst denken. Jetzt war er allerdings ein alter Mann. Aber das hat nichts mit der Geschichte zu tun. Der ganze Mann hat nur insofern etwas für die Geschichte zu bedeuten, als er den Garten angelegt und dadurch das Erdreich und den Sand einander so nahegebracht hatte, daß sie sich gegenseitig ihre Komplimente machen konnten.
Das geschah an der Südseite des Gartens, wo ein Bretterzaun stand, der aus den Planken gestrandeter Schiffe hergestellt war. Der Zaun war mit starken Pfählen eingerammt, doch unter den Brettern war eine kleine Öffnung, aus der das Erdreich hervorschaute und dem Sand in sein weißes Gesicht starrte.
Hier beginnt die Geschichte. Der, der sie erzählt, hat sie mit seinen eigenen Ohren mitangehört; denn er hat sowohl innerhalb des Bretterzauns im Schatten der Bäume gesessen, als auch draußen gelegen, wo der weiße Sand regiert. Und er hat selber das Loch unter dem Zaune gesehen und alle die seltsamen Wesen, die in dieser Geschichte auftreten.
Sobald am Morgen die Sonne aufging, begann die Erde allerhand anzügliche Reden, die den Sand ärgern sollten und es auch taten.
Wenn der Sand diesen Morgengruß hörte, gebärdete er sich wie verrückt und rief:
„Lieber Wind, lieber Wind! Nimm mich, heb’ mich, feg’ mich!“
„Mit Vergnügen!“ erwiderte der Wind.
Und dann fuhr der Sand wie ein Rasender gegen den Zaun; aber das half ihm nichts, denn der Zaun stand fest und wich keinen Finger breit; und wenn auch etwas Sand in den Garten hinabwehte, so lachte die Erde doch bloß darüber. Denn sie wußte, daß nach einem Weilchen der alte Mann mit seiner Schaufel kommen und den naseweisen Sand dahin zurückwerfen würde, von wo er gekommen.
Es dauerte nicht lange, so lief der Wind weiter, an andere Stellen, wo er auch zu tun hatte, oder legte sich in das Sandhaargras und flüsterte. Der Sand beruhigte sich dann auch wieder, lag mit sonderbaren, ärgerlichen Streifen und Runzeln da und dachte über die Dinge nach.