„Eigentlich weiß ich nicht, worauf du dir so viel einbildest,“ sagte er. „Warum sind deine Rosen und dein Gras besser als mein Sandhaargras? Hast du nicht meine kleinen Weidenbüsche gesehen? Und mein Mannstreu und meinen Strandkohl?“
„Singe mir etwas davon vor,“ erwiderte die Erde. „Warum singst du nicht ein Liedchen von deinem Reichtum?“
„Das kann ich nicht,“ sagte der Sand sehr traurig.
„Siehst du, das kannst du nicht!“ triumphierte das schwarze Erdreich und dehnte sich fett und üppig. „Das ist es eben. Vom Mannstreu und vom Sandhaargras kann man kein Liedchen singen. Es liegt keine Poesie darin. Von Rosen aber und grünen Bäumen, davon kann man singen. Die Vögel — —“
„Ich habe auch Vögel!“ rief der Sand. „Möwen und Seeschwalben und viele andere.“
„Das sind mir nette Kerle! Die singen doch nicht... die kreischen und schreien ja, daß sich ein anständiger Mensch die Ohren zuhalten muß. Und was für ein Leben führen sie? Die Eier schmeißen sie auf den nackten Sand, und dann legen sie sich selbst darauf. Keine Spur von einem Nest oder von irgendwelcher Gemütlichkeit! Die Jungen müssen, wenn sie kaum ausgewachsen sind, sich selber ihr Futter verschaffen. Das sind schöne Verhältnisse, muß ich sagen! Aber Gott behüte... arme Leute müssen ja mit allem zufrieden sein.“
„Sind deine Vögel denn besser?“
„Was faselst du da? Hier draußen ist freilich nicht viel los. Aber dort, woher ich stamme... da kannst du Vögel sehen, verehrter Freund! Sie singen, daß die Menschen stehenbleiben und lauschen ... Da gibt es Nachtigallen und Hänflinge, Zeisige, Drosseln und Finken. Sie bauen sich die niedlichsten Nester in den Büschen, füttern sie mit Daunen, Haaren und schönem Heu von der Wiese aus, so daß ihre Jungen wie Prinzen und Prinzessinnen darin leben können. Es geht ihnen sehr gut, verstehst du. Ich versorge sie ausgezeichnet, trage Beeren und Getreide für die, die es gerne fressen, und sie bekommen Fliegen und Würmer, soviel sie nur wollen.“
Der Sand lag da und dachte sich immer mehr und mehr in Wut und Ärger hinein. Als es Abend wurde, wehte und stob er zu seinem Privatvergnügen umher, häufte kleine Dünen auf und trug die Hügel an andere Stellen ab und benahm sich überhaupt, wie Sand sich zu benehmen pflegt. Dadurch besserte sich seine Laune allmählich.
„Wie du dich aufführst!“ rief die Erde. „Fliegst und stiebst umher. Eine ordentliche Pflanze könnte nie auf den Gedanken kommen, Wurzel in dir zu fassen, selbst wenn du ihr Nahrung bötest. Du würdest ja bald ihre Wurzeln bloßlegen und bald die ganze Pflanze begraben. Das gute Wasser läßt du durchsickern, als wäre es Schmutz... Du bist ein ganz leichtsinniger, unmöglicher Patron. Ich bin überzeugt, daß du selbst an deiner Armut schuld bist.“