wird dich doch binden.“
„Ja, wenn du mich nur wenigstens die Dämmerungsfalter behalten ließest, und dich mit den Nachtfaltern begnügtest,“ sagte die Lichtnelke. „Die meisten von ihnen verzehren nichts, sondern fliegen an dem schönsten Honig vorbei, als ob es Dreck wäre.“
„Es ist genug für euch beide vorhanden,“ sagte der Buchfink. „Deswegen keine Feindschaft. Ihr solltet bloß die Tagblumen sehen. Da herrscht Kampf ... das ist eine andere Sache, ihr könnt’s mir glauben! — — Aber nun höre, Lichtnelke, da ist doch noch etwas, was ich nicht verstehe. Warum laßt ihr nicht selber Staub auf eure Eier fallen? Ihr habt ja genug Staub, und das wäre doch viel, viel einfacher!“
„Ja — ich könnte das gar nicht, wenn ich auch wollte,“ erwiderte die Lichtnelke. „Ich habe gar keine Staubgefäße in meiner Blüte, nur Eier.“
„Herrgott, bist du ein Invalide?“ rief der Buchfink erschrocken.
„Nein, ganz und gar nicht,“ erwiderte die Blüte. „Aber wir Lichtnelken sind nun einmal so eingerichtet. Meiner Schwester drüben an der Hecke geht es ebenso. Aber auf der andern Seite des Weges, da stehen meine Brüder... siehst du das Weiße da drüben leuchten? Das sind sie. Die haben bloß Staubgefäße und keine Eier. Nun verstehst du wohl, daß wir genötigt sind, uns der Schmetterlinge zu bedienen.“
„Ja, aber die Rose und der Löwenzahn? Und die Butterblume und die Glockenblume? Ist es bei ihnen denn ebenso?“
„Nein,“ erwiderte die Lichtnelke. „Sie haben gleichzeitig Eier und Staub in ihren Blüten; sie könnten sich also allein behelfen, wenn sie wollten. Aber sie wollen nicht. Denn fremder Staub ergibt die größten, besten Samen, weißt du.“
„Wie merkwürdig das alles ist,“ sagte der Buchfink. „Da geht’s euch ja im Grunde ebenso wie uns Tieren. Ihr kämpft miteinander, um durchzukommen, kämpft für eure Nachkommen und so weiter.“
Die Lichtnelke nickte auf ihrem Stengel und sang ihr Liedchen, denn es kam gerade ein großer, grauer Schmetterling vorübergeflogen. Aber er flog weiter, und da sagte die Blume: