„O ja, so ist es. Aber ihr schreit und schlagt einander tot vom Morgen bis zum Abend. Wir stehen still, wo wir stehen, leuchten und duften und besorgen trotzdem unsern Kram. Also ein Unterschied ist doch vorhanden.“

Der Buchfink saß ein Weilchen schweigend da und dachte nach. Dann entdeckte er, daß es spät geworden war, und beeilte sich, sein Nest im Walde aufzusuchen.

Der Abend verstrich, und es wurde immer dunkler. Rings auf den Gehöften wurden die Lichter ausgelöscht, und auf den Wegen war niemand mehr zu sehen. Die Nachtviole duftete versteckt im Grase, der Roggen flüsterte mit dem Nachtwinde, und die weißen Blumenblätter der Lichtnelke leuchteten.

„Du... Roggen!“ rief die Lichtnelke. „Du bist so lang und reichst so hoch hinauf... kannst du nicht sehen, ob ein Dämmerungsfalter im Anmarsch ist?“

„Guck’ nicht aus nach dem Zeug... kenne nichts davon... kümmer’ mich nicht drum,“ erwiderte der Roggen.

Es klang weit über das Feld hin, denn alle die Roggenhalme antworteten gleichzeitig, und sie alle bogen ihre Ähren nach derselben Richtung; sie hielten immer gute Kameradschaft und waren stets der gleichen Meinung.

„Na, na,“ sagte die Lichtnelke. „Brauchst dich doch nicht so wichtig zu machen! Der Tag kommt wohl auch noch, wo du Verwendung für ein paar Bienen oder einen Schmetterling hast.“

„Nein, niemals... niemals... niemals!“ tönte es über das Roggenfeld hin.

„Sooooo?“ sagte die Lichtnelke verblüfft. „Dann versteh’ ich eigentlich nicht, was ihr mit euren Eiern und eurem Staub anfangt, wo ihr doch so viele seid. ... Ihr seid ja gewiß über hundert!“