„Wenn der Staub reif ist, wachsen alle unsere Staubgefäße aus der Ähre hervor. Das geht mit der größten Geschwindigkeit vor sich. Die Staubbeutel baumeln in der Luft, und es kommt darauf an, die Zeit zu benutzen. Wenn die Sonne recht milde scheint und keine Regenwolken am Himmel stehen, wenn es so gut wie ganz still ist, dann springen die Staubbeutel auf, und der Staub fällt heraus, wogt über dem Felde hin und her und fällt auf die Stempel.“

„Ihr seid ja die richtigen Großkaufleute,“ meinte die Lichtnelke.

„Da muß aber eine Menge Staub verlorengehen,“ sagte die Nachtviole.

„Allerdings,“ flüsterte der Roggenhalm. „Aber damit rechnen wir von vornherein, wir haben genug Staub zur Verfügung. Morgen fängt die Sache an... gebt acht, dann steht eine ganze Wolke über dem Felde.“

„Morgen ist unser Laden geschlossen,“ erklärte die Lichtnelke. „Wir müssen dir also auf dein Wort glauben.“

„Schade, daß der Buchfink nicht da ist,“ sagte die Nachtviole. „Er war so neugierig... hier hätt’ er was erfahren können!“

In dieser Nacht sprachen die Nachtblumen nicht mehr miteinander, sondern sie sangen ihre Lieder und besorgten ihre Honigläden; der Dämmerungsfalter und der Nachtfalter flogen hin und her. Der Roggen aber wogte und flüsterte.

Als der Morgen graute, schlossen die Nachtviole und die Lichtnelke ihre Blüten und schützten sich, so gut sie konnten. Und die Sonne ging auf, und ihre Strahlen pochten an die Türen der wilden Tagblumen.

„Heraus mit euch, ihr Siebenschläfer!“ riefen die Strahlen.

Und die wilde Rose an der Hecke und der Löwenzahn am Grabenrande, das Leinkraut, die Butterblume, die wilde Möhre und alle die anderen bekamen Tau in die Augen, und ihre Blüten entfalteten sich. Bienen, Hummeln, Fliegen und Schmetterlinge kamen hervor und summten in der Luft. Die Blumen dufteten und leuchteten, und der Markt war in vollem Gange.