Am nächsten Morgen, bei Sonnenaufgang, kamen zwei andere Fürsten just auf die Stelle zu gewandert, wo der Winter und der Sommer saßen und einander böse Blicke zuwarfen.

Der eine kam von Osten, der andere von Westen. Sie waren von kleinerer Gestalt als der Winter und der Sommer und nicht so stark und ehrfurchterweckend anzusehen. Aber groß waren sie doch, und man sah deutlich, daß es hohe, mächtige Herren waren. Denn sie gingen frei und stolz über die Erde hin und schauten ohne Scheu und Angst um sich.

Der von Osten kam, war der jüngere, ein blutjunger Mann, ohne ein Haar am Kinn. Sein Gesicht war weich und rund, der Mund lächelte ununterbrochen, und seine Augen waren verträumt und betaut. Sein langes Haar war mit einem Bande umwunden wie das eines Weibes. Er war ganz grün gekleidet. Das Band um sein Haar war grün und ebenso die Schleifen an seinem Fuß, und über der Schulter trug er an einem breiten grünseidenen Band eine Laute. Er wanderte so heiter und leicht dahin, als ob seine Füße die Erde nicht berührten, und die ganze Zeit trällerte er vor sich hin und spielte auf der Laute.

Der von Westen kam, war viel älter. Sein Haar und Bart waren graugesprenkelt, und er hatte Runzeln auf der Stirn. Aber er war schön anzusehen und prachtvoll gekleidet. Sein Mantel leuchtete rot, braun, grün und gelb, und während er der Sonne entgegenlief, breitete sich der Mantel aus und strahlte in allen seinen Farben. Er selbst starrte vergnügt in den Sonnenglanz hinein, als könnte er nicht genug davon bekommen. In der Hand trug er ein gewaltiges Horn. Als die beiden in der Nähe der anderen waren, verneigten sie sich tief vor ihnen. Der von Osten gekommen war, verbeugte sich besonders tief vor dem Sommer; der andere aber erwies dem Winter besondere Ehrfurcht.

Darauf setzten sich beide einander gegenüber auf einen Berg, und alle vier saßen eine Zeitlang schweigend im Kreise.

„Was seid ihr für Leute?“ fragte dann der Winter.

„Ich bin der Herbst,“ sagte der, der von Westen gekommen war.

„Ich bin der Frühling,“ erklärte der andere.