mein trautes Veilchen verschämt und blau,

ein Sonnenlächeln im Auge,

an der Wimper diamantenen Tau.“

Und als der Frühling dieses Liedlein gesungen hatte und es zum Gipfel der Felsen, auf den Grund des Flusses und an die Grenze des Tales tönte, da ereignete sich all das Folgende ungefähr gleichzeitig und mit einer solchen Geschwindigkeit, daß man es fast gar nicht erzählen kann.

Des Nachts war das Tal voll leisen Getöns. Aber niemand konnte etwas vernehmen, wenn er nicht das Herz voll grüner Triebe hatte.

Das waren die aufbrechenden Knospen. Winzige grüne Tüten rollten sich auf, Zweige streckten, Blüten entfalteten sich, Düfte wogten, und Gräser wuchsen.

Am Tage war manchmal Sonnenschein und manchmal Regen, aber immer war es gut. Und ein jeder, der Augen hatte zu sehen, sah, was da vorging.

Zuerst wurde der Waldboden ganz weiß von Anemonen, so weiß, daß der Winter, der durch eine Spalte in den Wolken herabspähte, einen Augenblick glaubte, es sei Schnee. Er freute sich so unbändig wie seit dem Februar nicht; aber als er seinen Irrtum gewahrte, schlich er sich zum letztenmal in einer Nacht in den Wald hinein und biß so vielen Blumen, wie er vermochte, die Kehle durch.

Aber für jede, die starb, kamen tausend neue hervor. Und mitten unter den Anemonen standen Lerchensporn und Lungenkraut mit blauen und roten Blüten — ganz nach Belieben, Sauerklee, der so zart war, daß er verwelkte, wenn man ihn nur anrührte, Schlüsselblume und Ehrenpreis, der klein, aber sehr, sehr blau und gar stolz war.