Die Wiese bekam einen funkelnagelneuen Grasteppich, der mit gelben Butterblumen- und Löwenzahntupfen geschmückt war. An den Gräben sah man einen Saum von hübschem lila Wiesenschaumkraut, und nach dem Flusse hin stand eine Schilfborte, die mit jedem Tage breiter und dicker wurde. Vom Grunde des Sees her wuchsen die dicken Seerosenstengel um die Wette nach der Oberfläche hin, und die Frösche, die den ganzen Winter über im Morast gehockt hatten, krochen heraus, streckten die Hinterbeine, schwammen an die Oberfläche und ließen ihr erstes Quorax! hören, so daß einem unbedingt weich ums Herz werden mußte.
Aber die Krähen, Spatzen und Buchfinken, die den Winter über im Tale ausgehalten hatten, veranstalteten einen Lärm, als hätten sie den Verstand verloren.
Sie rannten auf der Wiese umher, hackten auf die weiche Erde ein und nippten von dem Grase, obwohl sie recht gut wußten, daß sie sich den Magen daran verderben würden. Sie schlugen mit den Flügeln und brachten ein Hurra auf den Frühling aus, daß man hören konnte, sie meinten es ehrlich. Auch die Kohlmeise war dabei und der Zaunschlüpfer, so klein er auch war. Sie waren ja die ganze Zeit dagewesen wie die andern und hatten schlimme Stunden erlebt.
Und die Krähe wußte ganz und gar nicht, auf welchem Bein sie stehen sollte. Das Männchen fing an, mit dem Weibchen zu tändeln, mit dem es im vorigen Jahr und den ganzen Winter hindurch zusammen gewesen war und mit dem es sich noch im Februar tüchtig um einen toten Stichling gezankt hatte. Der Spatz setzte sich neben die Spätzin, steckte die Nase in die Luft und sang, als wäre er eine Nachtigall. Die Kohlmeise hatte das reine Frühlingsfieber. Sie schloß die Augen und erzählte dem Weibchen die abenteuerlichsten Märchen von leckeren Regenwürmern und fetten Fliegen, die einem geradeswegs in den Hals hineinflogen, ohne daß man einen Flügel zu rühren brauchte. Und der Herr Buchfink legte sich eine neue, flotte rote Hemdenbrust zu, so daß seine Frau sich vor Bewunderung nicht zu fassen wußte.
Aber das Zaunschlüpferweibchen, dessen Mann Weihnachten Hungers gestorben war, zupfte und putzte sich die Federn, damit es aussah wie eine schmucke junge Witwe.
Und der Frühling lachte und nickte allen freundlich zu.
„Ihr seid tüchtige Gesellen,“ sagte er. „Ihr habt Böses durchgemacht und verdient einen vergnügten Tag. Aber nun muß ich mein anderes Vogelvolk herbeiholen.“
Er wandte sich nach Süden hin, klatschte in die Hände und sang:
„Drossel, Lerche, Mönch und Specht