Da bekamen die Anemonen einen großen Schreck.
„Schein’ auf uns, Sonne, oder wir sterben!“ schrien sie.
Sie riefen dem Winde zu, er solle die garstigen Blätter aus dem Wege fegen, damit die Sonne ihre lieben kleinen Anemonen sehen könne. Und der Buche riefen sie zu, sie solle sich schämen, daß so ein großer, starker Baum unschuldige Blumen töten wolle. Und den Frühling flehten sie an, ob er ihnen nicht in ihrer Not helfen wolle.
Aber die Sonne sah sie nicht, und der Frühling hörte sie nicht, die Buche schenkte ihnen keine Beachtung, und der Wind lachte sie aus. Ein solcher Jubel war in dem Tale, daß ihre Stimme darin ertrank, und sie starben, ohne daß es beachtet wurde.
Jeden Tag kamen neue Blumen, leuchtende, duftende. Jeden Tag wußten die Vögel ihrem Gesang noch einen Triller hinzuzufügen. Der Hirsch brüllte, noch bevor die Sonne aufging, auf der Waldwiese, und die Hindin antwortete und sprang dahin. Jede Sekunde schnellten die Fische im Wasser empor, und das Quaken der Frösche im Graben fand kein Ende. Die Schlange wand sich am Hügelrand hin und spielte mit ihrer Zunge; auf jeder Hecke saßen braune Mäuslein und schauten einander verliebt an. Selbst die Fliegen summten zärtlicher als gewöhnlich.
Als aber der Jubel auf seinem Höhepunkt war, da stand der junge Frühlingsfürst oben im Tal, wo das Gebirge es nach Norden einschließt, und er schaute über sein Reich hin. Seine Augen waren betaut und verträumt, und sein Mund lächelte unaufhörlich. Er knüpfte das grüne Seidenband, daran er seine Laute trug, über der Schulter, griff noch einmal in die Saiten und summte dazu. Es war ein wunderschöner Tag, an dem die Vögel ihren Gesang dämpften und die Blumen sich schlossen.
Und der Frühling beugte sich über ein blaues Blümlein hinab, das an seinem Fuße keimte, und sang wehmütig:
„Vergißmeinnicht, blaues,
träumendes,
liebliches,