Der Winter hatte lange genug gedauert, und alle hatten ihn herzlich satt. Es hatte gefroren, und es hatte gestürmt, und es hatte geschneit nach Herzenslust, so daß man hätte meinen sollen, daß er selbst zufrieden sein müßte. Und außerdem stand es auch im Kalender geschrieben, daß er nun vorbei sein sollte.
Anemonen und Waldmeister hatten ihre Keime fertig und warteten bloß darauf, daß der Frost aus der Erde verschwände. Die neuen Blätter der Bäume lagen hübsch zusammengefaltet in den Knospen und sagten zueinander, nun könnten sie sich nicht länger halten. Der Buchfink hatte sich eine rote Brust zugelegt und hatte den Hals so voller Liebestriller, daß er beinahe daran erstickte.
Aber der Frühling kam nicht.
Dagegen kam der Star. Und er war verdrießlich, weil nichts in Ordnung war.
„Hat das etwa Sinn, einen hierher zu locken, wenn ihr noch nicht weiter seid?“ fragte er.
„Wer hat dich gelockt?“ fragte der Buchfink. „Du hättest ja bleiben können, wo du warst, statt in der Welt umherzurennen und zu sehen, wo der Tisch gedeckt ist. Unsereins, der hier den ganzen Winter über ausgehalten hat, verdient es auch, jetzt alles Futter zu bekommen.“
„Niemand hat je einen Finken satt gesehen,“ erklärte der Star. „Alles verschlingst du ohne Unterschied. Du erhebst dich nicht vom Tische, solange noch ein fauler Same übrig ist. Aber natürlich hast du eine Entschuldigung. Ich möchte dich auf deinen Flügelstümpfen nach Italien fliegen sehen.“
„Meine Flügel sind gut genug für mich,“ sagte der Buchfink. „Und es gefällt mir hier sehr gut!“
In diesem Augenblick schlug seine Stimme in Musik um, und er trillerte so rein und klar, daß alles im Walde den Kopf hob und lauschte.