Da liefen die andern hinzu; und sie sahen, daß da wirklich Gold war. Aber der, der es zuerst entdeckt hatte, wählte sich eine Stelle aus, die sein eigen war. Die andern suchten in einiger Entfernung, und alle fanden Gold.

Schwieg aber einer, während seine Hacke sich eifrig bewegte, so geschah das, weil er mehr gefunden hatte als die andern und Angst hatte, daß sie es ihm wegnehmen möchten.

„Seht ihr’s!.... Seht ihr’s!“ rief der Adler.

Und bald war noch mehr zu sehen. Denn Tag für Tag kamen neue Scharen.

Niemand konnte sagen, wie die Kunde von dem Golde verbreitet worden war; aber sie flog mit Blitzesschnelle über die Welt hin.

Aus allen Teilen der Erde kamen immer mehr und mehr Menschen in einem endlosen Aufzuge herbei. Alte und Junge, Männer und Frauen, Kranke und Gesunde, Reiche und Arme. Einige sprangen über Stock und Steine, und andre schleppten sich auf Krücken herbei. Manche kamen mit Pferd und Wagen, Vorräten und gedungener Mannschaft; andre hatten nichts als ihre Fäuste. Wie groß aber auch der Unterschied war — der Ausdruck ihrer Augen war der gleiche. In ihnen allen flackerte der Hunger nach dem Golde.

Sie hatten die Heimat verlassen und alles, was ihnen lieb war, und waren bereit, die größten Mühen und Gefahren zu überwinden, wenn sie nur Gold fanden. Der eine hatte eine Schuldenlast zurückgelassen und der andre ein einträgliches Geschäft. Der eine hatte alles verkauft, was er besaß, um sich das Reisegeld zu verschaffen; ein andrer hatte seinen Bruder bestohlen, um in das Goldland ziehen zu können.

Durch unwegsames Gebiet waren sie gezogen... durch dichte Wälder, Moore und Steppen, über Meer und Land. Viele blieben vor Erschöpfung und Entbehrung unterwegs liegen und kamen um, weil keine Hand sich regte, um ihnen zu helfen. Jeder der Gesunden fürchtete ja, er könne vielleicht eine Stunde zu spät kommen, und ein andrer könne den Goldklumpen finden, auf den man selber hoffte. So blieben die Kranken und Toten am Wege liegen; und keinem drückte Freundeshand die Augen zu.

Und als die Schar der Goldsucher das böse Land erreichte, da teilten sie es unter sich. Im Tale und auf den Felsen war bald ein Gewimmel wie in einem Ameisenhaufen. Den langen Tag hindurch hackten und gruben und wühlten die Leute mit zusammengebissenen Zähnen und stieren Augen. Unter ihnen waren solche, die an die Arbeit in Feld und Wald gewöhnt waren; sie ermüdeten nicht. Aber auch solche, die nie mit den Händen gearbeitet hatten: Lehrer, Priester und Gelehrte; denen erging es nicht so gut. Sie brachen bei der Arbeit zusammen und mußten dann als die Diener der andern ihr Dasein fristen.

Einige — und das waren die Klügsten — ließen die Goldgräber sich abrackern, soviel sie Lust hatten, und eröffneten selber eine Wirtschaft, eine Spielbank oder einen Laden. Sie meinten, das Gold werde dann schließlich doch zu ihnen kommen, und das tat es auch. Wenn einer Gold fand, so glaubte er, auf sein Glück trinken zu müssen; und oft vertrank er den ganzen Gewinn. Hatte aber einer keinen Erfolg gehabt, so mußte auch er trinken und verbrachte alle Habe, die er aus der Heimat mitgenommen hatte, oder trank auf Borg, solange der Wirt ihm Kredit gab.