„Du bist doch ein braver Kerl,“ sagte sie und nickte ihm gnädig zu. „Aber es ist ja allerdings auch deine Pflicht und Schuldigkeit, daß du mir ein paar Aufmerksamkeiten erweist, weil ich das Brüten zu besorgen habe.“

Am Morgen des fünfzehnten Tages brachen die Eierschalen entzwei, und vier nackte Vögelchen lagen da und sperrten ihre breiten, gelben Schnäbel auf. Das Neuntötermännchen betrachtete sie aufmerksam.

„Sie haben ja weder Augen noch Schnäbel,“ sagte er; „aber das kommt wohl noch alles.“

„Wie reizend sie sind!“ rief Frau Neuntöter.

Ihr Mann sah sie schelmisch an und pfiff vor sich hin:

„Und du hast sie zuerst gar nicht ausbrüten wollen!“

„Unsinn!“ entgegnete seine Frau gekränkt. „Das habe ich nie gesagt. Du solltest deinen armen Kinderchen lieber Futter bringen, anstatt hier solche Reden zu führen. Sie sperren die Schnäbel so weit auf, daß ich ihnen bis in ihre lieben kleinen Mägen hinabsehen kann.“

Und der Neuntöter flog aus und kam wieder und flog wieder aus, und so ging es den ganzen Tag von früh bis spät und viele lange Tage hindurch. Sooft er etwas zu essen brachte, sperrten die Jungen ihre Schnäbel weit auf. Es war, als könnten sie niemals satt werden. Aber die vier waren nicht alle gleich gefräßig. Das eine von den Jungen war viel gieriger im Fressen als die andern, wuchs aber auch viel stärker.

„Das wird einmal ein tüchtiger Neuntöter,“ sagte der Vater und strich ihm mit dem Schnabel über den Rücken.

„Du darfst keinen Unterschied zwischen deinen Kindern machen,“ erwiderte die Mutter streng. „Ich finde nun gerade die kleinsten am nettesten.“