„Schäme dich, so heftig zu werden!“ schrie sie. „Willst du das unschuldige Kind mißhandeln? Wage nicht, es anzurühren! Du wirst doch wohl begreifen können, daß das kleine Wesen nichts dafür konnte.“
Nun beweinten sie beide das tote Kind; und als sie sich ausgeweint hatten, flogen sie aus, um neues Futter zu holen. Sie trösteten sich schnell über den Verlust; denn die drei Jungen, die noch am Leben waren, hatten einen so fürchterlichen Appetit, daß die Eltern manchmal fast verzweifelten. Das große fuhr fort zu wachsen und war jetzt schon doppelt so groß wie die beiden andern, die sich beklagten, daß der Grobian sie beiseitedränge und ihnen alles Futter wegnehme.
„Ihr müßt versuchen, euch zu vertragen, bis ihr euch selber helfen könnt,“ ermahnte die Neuntötermutter.
„Wären sie nur mal erst glücklich konfirmiert und mit uns nach dem Süden unterwegs!“ sagte der Neuntöter sorgenvoll. — —
Nach einer Woche ereignete sich etwas, was die Neuntötereltern wiederum tief betrübte. Als sie heimkehrten, war nur noch das große Junge im Nest.
„Aber wo sind denn deine Geschwister?“ schrie die Mutter erschrocken.
„Ich kann nichts dafür!“ piepste das große Junge. „Sie sind aus dem Nest gefallen. Ich kann nichts dafür! Ich habe mich bloß ein klein wenig umgedreht, und da ist das eine hinausgefallen; und ich habe einen Schreck bekommen und habe wohl dabei das andre angestoßen, das auf die Weise auch hinausgefallen ist. Ich kann aber nichts dafür! Und dann ist der Fuchs gekommen und hat sie beide gefressen.“
Als die beiden Alten das hörten, da weinten sie bitterlich.
„Wir haben das Nest zu klein gebaut,“ sagte schließlich der Neuntöter. „Aber wie konnte ich auch wissen, daß ich ein so großes Kind bekommen würde! Es wächst ja geradezu unheimlich.“