Und die Mutter klagte: „Du hättest sie nur beizeiten richtig erziehen müssen. Ach, meine armen lieben kleinen Kinder!“

„Wenn wir jetzt wenigstens das letzte behalten möchten!“ seufzte der Neuntöter. „Nun sei du ein gutes Kind und denk’ daran, daß du unser einziges bist.“

Das versprach das Junge, und dann fraß es all das Futter, das die Eltern mitgebracht hatten.

„Mehr, mehr!“ schrie der Nimmersatt. „Ich bin furchtbar hungrig!“

Und die Neuntöter stürzten fort, um seine Wünsche zu erfüllen.

Sie holten jetzt mehr Futter herbei als früher, als noch alle Kinder am Leben gewesen waren; aber der große Bursche konnte nie genug bekommen. Er wuchs und wuchs und wurde schließlich so groß, daß er keinen Platz mehr im Neste hatte. Da kletterte er hinaus und setzte sich auf einen Zweig daneben.

„Gott erbarme sich,“ schrie die Neuntötermutter, als sie heimkehrte und das große Junge dort sitzen sah. „Du wirst hinunterfallen und dir den Hals brechen.“

„Du hast immer etwas an mir auszusetzen!“ antwortete der junge Vogel ganz verzagt. „Ich hab’ es drinnen nicht mehr ausgehalten, weil es mir da zu eng war. Ich mache alles verkehrt und kann doch nichts dafür. Ich wünschte, ich wäre tot! — Hast du mir etwas mitgebracht?“

Da halfen die beiden Alten ihm vorsichtig auf die Erde herunter und baten das Junge, sich gut im Grase zu verstecken und nur ja nicht zu schreien, damit der Fuchs seine Anwesenheit nicht bemerkte. Und von nun an brachten sie ihm täglich mehr als hundertmal Futter, und der junge Vogel wuchs immer mehr. Allmählich entwickelten sich auch seine Flügel- und Schwanzfedern, so daß er quer über die Wiese flattern konnte; die Eltern mußten oft nach ihm suchen und ihn rufen, wenn sie mit Futter beladen zurückkehrten. Es sah gar sonderbar aus, wenn die drei beisammen saßen; denn das Junge war jetzt doppelt so groß wie das Neuntöterpärchen, so daß es nicht ganz einfach war, ihm das Futter in den Schnabel zu stecken. Außerdem war es ganz graubraun gefärbt, mit hellen Flecken auf Brust und Bauch.