Und der Hirsch erklärte: „Er ist unser aller Herr. Wir haben niemanden, bei dem wir Klage führen könnten. Wir haben keinen König. Der Löwe ist nicht mehr der Herrscher des Waldes. Er schlägt uns mit seiner Tatze nieder, wenn er hungrig ist, aber er verteidigt uns nicht.“
Während die Tiere nun Rat hielten, was zu tun sei, kam die Löwin langsam gegangen und stellte sich mitten in ihren Kreis. Erschrocken fuhren die Tiere auf, aber die Löwin legte sich ruhig nieder und sagte:
„Ihr braucht keine Angst vor mir zu haben. Ich tu’ euch nichts. Ich habe in den letzten acht Tagen vor Kummer kaum gegessen. Mich drückt die gleiche Sorge wie euch. Und für mich ist’s schlimmer, weil mein Gemahl uns alle gegen diese Fremden hätte verteidigen müssen und es nicht tut. Zu allem übrigen kommt für meine Person noch die Schande.“
„Der Löwe soll uns helfen! Der Löwe soll uns befreien!“ riefen alle Tiere durcheinander.
„Der Löwe rührt sich nicht,“ erwiderte sie traurig. „Er liegt zu Hause und starrt und starrt vor sich hin. Aber nun sollt ihr hören, was ich euch zu sagen habe.“
Da scharten sich alle um die Löwin und lauschten.
„Wir alle sind in Gefahr,“ begann sie, „wir alle ohne Ausnahme. Ich habe gesammelt, was ich vom Zweifüßler gehört und gesehen. Und ich kenne seinen Charakter und seine Pläne, als hätte er sie mir anvertraut. Die ganze Erde will er sich unterwerfen. Er und seine Kinder wollen über uns herrschen — im Guten wie im Bösen.“
„So ist es!“ riefen die Tiere.
„Ja, so ist es!“ wiederholte die Löwin. „Niemand darf sich für sicher halten. Das stärkste Tier und der größte Baum — hat er sie heute nicht gefällt, so kommt die Reihe morgen an sie. Der niedrigste Wurm und das erbärmlichste Kraut — ihr wißt nicht, wann er euch braucht, oder wann ihr ihm lästig werdet. Dann hat eure Stunde geschlagen.“
„Ja, ja!“ riefen sie.