„Der Winter ist eigentlich ganz erträglich,“ sagte die Waldmaus und steckte die Schnauze zu ihrem Loche hinaus. „Dauert er nur nicht zu lange, so reicht der Vorrat schon aus. Ich habe meine Speisekammer im Sommer gut gefüllt; und solange man zu essen hat, bleibt man immer warm.“
Der Sperling hörte das alles, aber es half ihm nichts.
„Die scheinen mit ihrem Lose zufrieden zu sein,“ sagte er, „und das ist ja gut für sie. Ich jedoch kann mich nicht in mein armseliges Dasein finden.“
Mißmutig flog er nach Hause und setzte sich wieder auf das Dach.
„Nun weiß ich, was ich tun werde!“ sagte er plötzlich. „Ich will in das Nest der Schwalbe kriechen. Da will ich heute nacht schlafen; dann kann ich träumen, ich wäre eine Schwalbe.“
Das tat er auch, und die ganze Nacht träumte er, er flöge über Berge und Täler dahin, über Länder und Meere, bis nach Italien. Ihm war so leicht zumute, so frei; seine Flügel trugen ihn pfeilschnell durch die Luft — es war der herrlichste Traum, den er je gehabt hatte.
Von nun an kroch er jeden Abend in das Schwalbennest hinein und blieb bis in den hellen Tag hinein darin liegen. Wenn er herauskam, setzte er sich auf den Dachfirst oder in den kahlen Lindenbaum und kroch in sich zusammen. Und wenn die Frau des Gärtners ihm nicht hin und wieder ein paar Krumen hingeworfen hätte, dann wäre er sicher verhungert.
Denn er kümmerte sich um nichts — sehnte sich nur darnach, daß es Abend würde, damit er wieder träumen konnte. Und jeden Abend träumte er unermüdlich ein und dasselbe.
„Das ist beinahe ebensogut wie Reisen,“ dachte er. „Könnte ich doch nur auch am Tage träumen!“
Aber allmählich wurde er ganz wirr im Kopfe und achtete auf nichts mehr.