Aber als sie in ihr Nest kriechen wollte, merkte sie, daß jemand darin lag.
„Was ist das?“ schalt sie. „Wer hat sich unterstanden, mein Nest in Besitz zu nehmen?“
„Das ist nicht dein Nest!“ sagte der Sperling, der darin lag; „ich bin die Schwalbe! Ich bin soeben von Afrika heimgekehrt. Das kannst du mir glauben; da unten war es herrlich; ich kann dir eine ganze Menge erzählen.“
Die Schwalbe war einen Augenblick sprachlos. Dann aber schrie sie wütend:
„Ja, das kannst du mir glauben, ich werde dir etwas erzählen, du erbärmlicher Spatz! Konnte ich es mir nicht denken, daß du es warst, der so frech gewesen ist, mir mein Nest zu stehlen! Du warst ja schon im vorigen Jahr nicht ganz richtig im Kopfe. Willst du jetzt wohl machen, daß du herauskommst, und zwar geschwind!“
Aber es half nichts, soviel die Schwalbe auch schreien und drohen mochte. Der Sperling war fest davon überzeugt, daß er in seinem guten Rechte war. Er fuhr fort, der Schwalbe zu erzählen, daß er eben aus Afrika heimgekehrt, und daß er sehr müde sei; nun wolle er Ruhe zum Schlafen haben.
„Ich werde mich rächen!“ sagte die Schwalbe und flog fort.
Aber im Neste lag der Sperling seelenruhig und schlief. Er träumte von den warmen, schönen Ländern mit allen den Mücken und Fliegen und Kirschen.
Er schlief noch immer, als die Schwalbe mitten in der Nacht wiederkam. Den breiten Schnabel hatte sie voll Schlamm; und in aller Stille begann sie, das Nestloch zu vermauern. Die ganze Nacht flog sie hin und zurück; und als die Sonne aufging, war das Loch dicht verschlossen.