„Da liegen sie nun und schlafen!“ sagte sie endlich. „Essen und schlafen, das können sie, vom Morgen bis zum Abend; und mit jedem Tag werden sie größer und dicker. Noch ein paar Tage, dann sind sie groß und kriechen aus. Und dann ist meine Zeit vorbei. Ich weiß es wohl! Ich habe gehört, wie die Bienen davon sprachen, sie möchten eine jüngere und schönere Königin haben, und dann jagen sie mich mit Schimpf und Schande davon. Aber das lasse ich mir doch nicht gefallen. Morgen schlage ich sie alle zehn tot; dann kann ich auf dem Thron bleiben, bis ich sterbe.“

Damit ging sie, aber die kleine Made hatte alles mit angehört.

„Ach Gott!“ dachte sie, „eigentlich ist es doch schade um die kleinen Prinzessinnen. Furchtbar eingebildet sind sie ja freilich, und häßlich sind sie auch gegen mich gewesen; aber es wäre doch traurig, wenn die alte Königin sie totschlüge. Ich glaube, ich sag’s dem alten Brummpeter draußen.“

Und sie fing wieder an, auf die Tür loszutrommeln; und die alte Biene kam angelaufen, aber diesmal war sie ordentlich böse.

„Jetzt nimm dich aber in acht, mein liebes Kind,“ sagte sie. „Du bist die Allerjüngste und machst am meisten Lärm. Das nächstemal sage ich es der Königin.“

„Hör’ mich doch erst mal an,“ sagte die Made; und sie erzählte den bösen Plan der Königin.

„Du meine Güte, ist das wahr?“ rief die Alte und schlug vor Schreck mit den Flügeln um sich. Und ohne weiter zuzuhören, machte sie, daß sie fortkam, um es den andern Bienen zu erzählen.

„Mir scheint, ein wenig Honig hätte ich für meinen guten Willen verdient,“ sagte die kleine Made. „Na, wenigstens kann ich mich jetzt mit gutem Gewissen schlafen legen.“

Am nächsten Abend kam die Königin, als sie glaubte, alle Bienen wären zu Bette, und wollte die Prinzessinnen töten. Die Made konnte hören, wie sie laut mit sich selbst sprach; aber sie hatte Angst vor der bösen Königin und wagte nicht, sich zu rühren.

„Wenn sie doch nur die Prinzessinnen nicht totschlüge!“ dachte sie bei sich und rutschte näher an die Tür, um zu hören, was geschehen würde.