Aber diese Bemerkung hätte sie sich sparen können, denn in diesem Augenblick stachen sich die Prinzessinnen so heftig mit ihren Stacheln, daß beide mausetot umfielen.

„Das ist eine schöne Geschichte!“ riefen die Bienen und liefen verstört umher. „Jetzt haben wir keine Königin! Was sollen wir machen? Was sollen wir machen?“

Verzweifelt und ratlos krochen sie in dem Bienenkorbe hin und her. Aber die Ältesten und Klügsten setzten sich in einen Winkel und hielten Rat. Sie redeten lange hin und her, was sie bei diesem unvorhergesehenen Unglücksfall anfangen sollten; zuletzt nahm das Oberkindermädchen das Wort:

„Ich will euch sagen, wie ihr aus der Klemme kommt; ihr braucht nur meinen Rat zu befolgen! Ich kann mich noch entsinnen, daß dasselbe Unglück einmal vor langer Zeit hier im Bienenkorb passiert ist. Damals war ich selbst eine Made; ich lag in meiner Kammer und hörte deutlich, was vorging. Alle Prinzessinnen hatten einander erschlagen, und die alte Königin war weggeflogen — ganz wie jetzt. Aber da nahmen die Bienen eine von uns Maden und legten sie in eine von den Kammern der Prinzessinnen. Täglich fütterten sie sie mit dem feinsten und besten Honig, der im Bienenkorbe zu finden war, und als sie groß wurde, war sie eine echte Königin. Ich besinne mich ganz genau auf die Sache, denn ich war damals der Ansicht, sie hätten ebensogut mich nehmen können. Aber das ist jetzt gleichgültig. Ich schlage euch vor, daß wir es ebenso machen.“

Die Bienen riefen erfreut, das wollten sie auch tun, und liefen gleich hin, um eine Made zu holen.

„Wartet mal!“ rief das Oberkindermädchen, „und nehmt mich mit! Ich kann euch ja noch helfen. Seht mal, es muß eine von den jüngsten Maden sein; denn sie muß Zeit haben, über ihre neue Stellung nachzudenken. Wenn man zur einfachen Arbeitsbiene erzogen ist, gewöhnt man sich nicht so leicht daran, eine Krone zu tragen.“

Das leuchtete den Bienen denn auch ein, und die Alte fuhr fort:

„Gleich neben den Stuben der Prinzessinnen liegt eine kleine Made. Sie ist die Jüngste von allen. Die hat vielleicht etwas von der vornehmen Art der Prinzessinnen gelernt, und ich habe bemerkt: sie hat Charakter. Außerdem war sie so ehrlich, mir die bösen Absichten der alten Königin wiederzuerzählen. Die wollen wir nehmen!“

Da begaben sich die Bienen in feierlichem Aufzug in die enge Kammer, in der die kleine Made lag. Höflich klopfte das Oberkindermädchen an die Tür, machte sie vorsichtig auf und erzählte der Made, was die Bienen beschlossen hätten. Anfangs wollte die Made ihren Ohren nicht trauen; aber als man sie behutsam in eine von den schönen, großen Stuben trug und ihr so viel Honig brachte, wie sie nur essen konnte, da merkte sie, daß das alles Ernst war.