„Gott behüte,“ spottete die Eiche. „Also deine Mutter hat dich gar nicht gesät? Und die andern sind vielleicht auch nicht gesät? Ihr seid vielleicht gar vom Himmel herabgefallen?“
„Wenn du deine Augen aufgemacht hättest, würdest du gesehen haben, daß der Förster mich hierhergesetzt hat,“ sagte die Weide. „Ich bin ein Steckling.“
Und den ganzen Weg entlang rauschten die Pappeln einander zu:
„Wir sind Stecklinge .. Stecklinge .. Stecklinge ...“
Es war eine richtige Allee.
„Da hast du dich ganz richtig benommen,“ sagte die Pappel, die der Weide zunächst stand. „Fahre nur so fort, wie du angefangen hast; dann werden wir dir vergeben, daß du nicht so vornehm bist wie wir.“
„Ich werde tun, was in meinen Kräften steht,“ erwiderte der Weidenbaum.
Die Eiche sagte nichts. Sie wußte nicht, was Stecklinge sind, und wollte sich keine Blöße geben und keine Dummheit sagen. Aber gegen Abend flüsterte sie dem wilden Rosenstrauch zu:
„Was war das für dummes Zeug, das von den Stecklingen?“
„Das ist kein dummes Zeug,“ erwiderte der Rosenstrauch. „Was die Weide gesagt hat, ist richtig. Ich selbst bin zwar aus einem Samen aufgewachsen wie du, und ich habe auch nicht gesehen, daß der Förster den Weidenbaum gepflanzt hat; denn ich hatte an dem Tage gerade viel mit meinen Knospen zu tun. Aber ich habe im Garten auf dem Herrenhof ein paar vornehme Cousinen. Die sind aus Stecklingen entstanden. Ihr Duft ist lieblich, ihre Farben sind schön und ihre Kelche vielblättrig! Aber Samen bekommen sie nicht.“