„So etwas!“ sagte die Eiche.

Und der Rosenstrauch fügte hinzu: „Ich will auch lieber die wilde Rose bleiben, die ich bin.“

*

Die Jahre vergingen. Es wurde Frühling und Sommer, Herbst und Winter. Es kam Regen und Schnee, Sonnenschein und Sturm, es kamen gute und böse Tage. Die Vögel flogen aus dem Lande fort und kehrten wieder zurück, die Blüten sprangen auf und verwelkten, die Bäume belaubten sich und warfen ihr Laub wieder ab, wenn ihre Zeit gekommen war.

Der Weidensteckling wuchs und wuchs rasch heran, wie es nun einmal in der Familie lag. Er war jetzt ein ganzer Baum geworden, mit dickem Stamm und vielverzweigter Krone.

Aber eins ließ sich ja nicht leugnen — eine Pappel war es nicht. Und die Kollegen in der Allee waren sehr unzufrieden mit ihm.

„Ist es dir denn gar nicht möglich, etwas mehr in die Höhe zu wachsen?“ fragte die nächste Pappel. „Du hättest ja überhaupt nicht hier stehen dürfen; aber da du nun einmal durch einen unglücklichen Zufall in die Allee geraten bist, so möchte ich doch wünschen, daß du dich ein bißchen emporreckst.“

„Ich werde tun, was in meinen Kräften steht,“ erwiderte der Weidenbaum.

„Ich fürchte, daß deine Kräfte nicht ausreichen,“ sagte die Pappel. „Du verstehst es gar nicht, deine Zweige in deiner Nähe zu halten. Sie hängen ganz schlapp nach allen Seiten heraus, als ob du eine gewöhnliche Buche oder Birke oder Eiche wärst, oder wie die ordinären Bäume alle heißen mögen.“