„Nennst du mich ordinär, du Windbeutel?“ rief die Eiche.

Aber die Pappel kümmerte sich nicht um diese Worte, sondern fuhr fort, die Weide zu ermahnen.

„Du solltest dir ein Beispiel an der Frau auf dem Herrenhof nehmen,“ sagte sie. „Anfangs war sie nichts andres als ein ganz gewöhnliches Küchenmädchen. Sie scheuerte die Töpfe, machte das Feuer an und rührte im Milchbrei. Ich habe oft gesehen, wie sie mit einem Eimer in der Hand durch die Allee spazierte, mit bloßen Armen, bloßem Kopf und aufgeschürztem Kleide.“

„Wir haben es mitangesehen ... wir haben es mitangesehen,“ rauschte es die Allee entlang.

„Dann verliebte sich der Besitzer des Herrenhofs in sie und machte sie zu seiner Frau,“ fuhr die Pappel fort. „Jetzt trägt sie seidene Kleider mit Schleppen und einen Straußfederhut und Goldkäferschuhe und lange Handschuhe aus Paris und sieht von oben auf die Leute herab ... Noch gestern fuhr sie in dem feinen Wagen mit den vier Braunen hier vorbei!“

„Wir haben es mitangesehen ... wir haben es mitangesehen,“ rauschte es die Allee entlang.

„Sie ist auch so in die Allee hineingeraten, verstehst du,“ sagte die Pappel. „Sie hat es gelernt, sich aufzurecken und zu rauschen, und nun rauscht sie. Mir scheint, du kannst von ihr lernen. Du gehörst doch wenigstens zur Familie, wenn du auch keine richtige Pappel bist; da müßte es dir doch leichter fallen als ihr.“

„Ich werde tun, was in meinen Kräften steht,“ erklärte der Weidenbaum.

Aber es wurde nichts daraus. Seine Zweige fuhren fort, nach den Seiten zu wachsen, und der ganze Baum war nur halb so hoch wie die niedrigste der Pappeln. Übrigens war er wirklich hübsch und nett, aber darauf kommt es ja nicht an in der vornehmen Welt.

Und die Pappeln ärgerten sich mit jedem Tag mehr über ihn.