„Es ist ein fürchterlicher Skandal,“ schalt die nächste Pappel. „Ein Familienskandal, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat! Möchten die Leute dich doch ganz fortnehmen, damit du uns nicht länger blamierst, du ekliger, welker Pflock!“

„Familienskandal ... Skandal ... Skandal,“ rauschte es die Allee entlang.

„Ich fühle mich gar nicht welk ... sonderbarerweise,“ sagte der Weidenbaum. „Ich weiß auch nicht, daß ich etwas getan habe, dessen ich mich schämen müßte. Ich bin hierhergesetzt worden; und ich habe mein Möglichstes getan, um meinen Platz auszufüllen. Der Gutsherr hat mich das einemal gelobt und das andremal abhauen lassen. Man muß das Leben nehmen, wie es kommt. Eine Pappel bin ich nicht geworden, aber zur Familie gehöre ich doch. Und die Familie hat auch noch andre Eigenschaften als den Stolz. Wir wollen sehen, was aus mir wird.“

„Er spricht wie ein Mann,“ sagte der wilde Rosenbusch.

Die Eiche sagte nichts. Und die Pappeln rauschten vornehm, sprachen aber nicht mehr vom Familienskandal.

*

Der Gutsherr und seine Frau reisten nach Italien und blieben ein paar Jahre dort wohnen. Das hatte zur Folge, daß der gekappte Weidenbaum ruhig zwischen den stolzen Pappeln stehenbleiben durfte. Wenn die Herrschaft nicht auf dem Gut war, dachte niemand an die vornehme Allee.

Den Winter über stand der Weidenbaum still und verzagt da. Es ist ganz natürlich, daß man keine Lust hat zu reden, wenn einem der Kopf abgehauen ist. Aber im März begann er plötzlich aufs jämmerlichste zu stöhnen:

„Ach, mein Kopf! mein Kopf!“ schrie er.

„Hat man je so etwas gehört?“ sagte die Eiche. „Redet er nicht von seinem Kopf? Und dabei kann doch jeder sehen, daß der ihm abgeschnitten, und nur ein elender Knorren zurückgeblieben ist.“