„Du hast gut reden,“ klagte der Weidenbaum. „Du solltest nur an meiner Stelle sein. Meine ganze Krone ist weg mit all den großen Ästen und kleinen Zweigen, an denen die Knospen fürs nächste Jahr so nett saßen, jede in ihrem Blattwinkel. Aber alle meine Wurzeln habe ich noch ... alle die, die ich mir damals angeschafft habe, als ich noch für einen großen Haushalt zu sorgen hatte. Jetzt scheint die Sonne, und die Wurzeln saugen und saugen. Der Saft strömt durch meinen Stamm empor und steigt mir zu Kopfe. Zu gar nichts kann ich ihn gebrauchen ... au, au ... ich zerspringe, ich sterbe!“

„Armer Weidenbaum,“ sagte der Rosenbusch.

Aber drüben auf der andern Seite der kleinen Anhöhe stand ein Holunderstrauch, mit dem sonst niemand sprach, und der sich sonst nie in die Unterhaltung der andern einmischte.

„Es wird schon alles gut werden,“ sagte er. „Höre nur auf einen armen, aber ehrlichen Holunderstrauch! Zuletzt kommt alles, so oder so, wieder in die Reihe.“

„Ja, du hast allerhand im Leben durchgemacht,“ warf die Eiche ein.

„Herrje,“ sagte der Holunder. „Sie haben mich abgehauen und gestutzt und gekappt und an allen Ecken und Kanten geknickt. Aber so oft sie mir auf der einen Seite etwas fortnahmen, immer trieb ich auf der andern Seite einen neuen Zweig. Dem Weidenbaum geht es wohl ebenso. Der gehört auch zu einer zähen Familie.“

„Er nahm den Hut ab, wischte sich den Schweiß von der Stirn und setzte sich in den Schatten des Weidenbaumes.“


GRÖSSERES BILD

„Habt ihr’s gehört?“ rief die nächste Pappel. „Der Holunderstrauch vergleicht seine Familie mit uns! Wir tun so, als hörten wir es nicht ... wir recken uns und rauschen.“