„Wir recken uns und rauschen ... rauschen ... recken uns ... rauschen,“ flüsterte es die Allee entlang.

„Was sind das für sonderbare kleine Dinger da oben am Ende des Weidenbaums?“ fragte die Eiche. „Seht doch bloß ... oben schwillt es an ... es ist wohl Ausschlag ... Wenn wir nur nicht angesteckt werden!“

„Ach Gott, das sind Knospen,“ entgegnete der Weidenbaum. „Ich verstehe es nicht, aber ich fühle es. Es sind wirkliche, lebendige Knospen. Ich werde wieder grün ... ich bekomme eine neue Krone.“

Nun kam die alleremsigste Zeit des Jahres, wo ein jeder genug mit sich zu tun hatte, und niemand an den armen Weidenbaum dachte.

Die vornehmen Pappeln und der arme Holunder bekamen Blätter. Das Gras am Grabenrande wurde grün, das Getreide wuchs auf dem Felde, der wilde Rosenstrauch streckte seine feinen Blättchen hervor, auf daß seine Blüten sich im Juni um so schöner ausnähmen. Veilchen und Anemonen blühten und starben, Gänseblümchen und Stiefmütterchen, Löwenzahn, wilder Kerbel und Petersilie erwachten ... überall herrschte ein freudiges Leben und Treiben. Die Vögel sangen, wie sie noch nie gesungen hatten, die Frösche quakten im Sumpfe, und die Schlange lag auf dem Steinwall und sonnte ihren schwarzen Leib.

Die einzige, die sich nicht an der allgemeinen Freude beteiligte, war die Eiche. Sie war von Natur mißtrauisch und wollte durchaus nicht aufspringen, bevor sie sah, daß alle die anderen grün waren. Darum schaute sie vom einen zum andern und entdeckte zuerst, was mit dem Weidenbaum geschah.

„Seht! Seht!“ schrie sie.

Da sahen alle hinüber und bemerkten, daß der Weidenbaum eine ganze Masse wunderschöner, grüner, langer, schwanker Zweige trug, die geradeaus in die Luft ragten, und an denen frische, grüne Blätter wehten. Alle die Zweige saßen in einem Kranze oben auf dem abgehauenen Stamm und waren so rank und schön, daß keine Pappel sich ihrer hätte zu schämen brauchen.

„Ich sagte es ja,“ meinte der Holunderstrauch, der ganz mit dunkelgrünen Blättern bedeckt war.