„Nun habe ich wieder eine Krone,“ sagte der Weidenbaum. „Selbst wenn sie nicht so hübsch ist wie die alte — eine Krone ist es, das kann niemand leugnen.“
„Nein,“ bestätigte die wilde Rose. „Das ist richtig. Übrigens kann man sehr glücklich ohne Krone sein. Ich habe keine und habe nie eine gehabt und genieße doch Ehre und Ansehen in der Welt.“
„Wenn ich meine Meinung sagen darf, so ist einem die Krone bloß unbequem,“ sagte der Holunderstrauch. „Ich habe auch einmal eine gehabt, bin aber sehr zufrieden damit, daß sie sie mir weggenommen haben und daß ich meine Zweige wachsen lassen kann, wie ich will.“
„So denke ich nicht,“ sagte der Weidenbaum. „Ich bin ein Baum, und ein Baum muß eine Krone haben. Hätte ich keine neue Krone bekommen, so wäre ich vor Kummer und Scham zugrunde gegangen.“
„Es ist doch Pappelblut in ihm,“ bemerkte die nächste Pappel.
Die andern rauschten beifällig.
„Wir wollen sehen, was daraus wird,“ sagte die Eiche.
Der Sommer verging, wie er zu vergehen pflegt. Die Sonne schien so lange, bis alles, was Leben hatte, um Regen bat. Dann regnete es, bis alle den Himmel um Sonnenschein anflehten.
Der Weidenbaum gehörte nicht zu den Schlimmsten. Von Natur war er genügsam. Und außerdem freute er sich so sehr über seine neue Krone, daß es schien, als könne er sich in alles finden, was es auch sein mochte.