„Ach wo!“ sagte der Löwenzahn. „Je mehr mir die Sonne in mein gelbes Gesicht scheint, desto mehr freue ich mich. Nein, du ... der Erde wegen habe ich Angst.“
„Die ist auch das Allerwichtigste,“ erklärte die Eiche. „Aber das ist Sache des Weidenbaums. Will er in seinem Kopfe ein Blumenhotel unterhalten, so muß er natürlich auch für Erde sorgen.“
„Ja, aber ist denn keine Erde da, lieber Löwenzahn?“ fragte der Weidenbaum.
„Allerdings,“ erwiderte der Löwenzahn. „Und gut ist sie auch; nicht deswegen sage ich es. Aber ich fürchte, daß nicht genug da ist. Ich will dir etwas sagen, ich habe eine furchtbar lange Wurzel ... einen ganzen Pfahl, du kannst mir’s glauben. Wenn ich ausgewachsen bin, reicht er eine gute Viertelelle in die Erde hinunter.“
„Hm,“ spottete die Eiche. „So ein lumpiger Löwenzahn will von Wurzeln reden.“
Der Weidenbaum stand ein Weilchen schweigend da; aber desto emsiger dachte er nach. Der wilde Rosenstrauch tröstete den Löwenzahn und sagte dem Weidenbaum nur Gutes nach; und der Holunder meinte, daß gewiß noch alles gut gehen werde; die Eiche aber fragte in brummigem Ton, ob man von einem Baum ohne Krone überhaupt etwas Gutes erwarten könne.
„Hör’ einmal,“ sagte schließlich der Weidenbaum, der überhaupt nicht nach den andern hingehört hatte. „Nun will ich dir etwas sagen, lieber Löwenzahn, wovon ich sonst nicht gern rede. Du weißt ja, daß ich das Unglück gehabt habe, meine Krone zu verlieren.“
„Ich hörte es dich vorhin sagen,“ erwiderte der Löwenzahn. „Und ich sehe ja auch, daß du etwas verzagt aussiehst zwischen den andern Bäumen der Allee.“
„Sprich nicht von den Pappeln,“ sagte der Weidenbaum betrübt. „Es sind meine Verwandten, aber sie haben es mir nie verziehen, daß ich aus Versehen als Steckling hierhergesetzt worden bin. Sieh sie an und sieh mich an, dann kannst du erkennen, daß solch ein Mißgeschöpf ein Schandfleck für eine vornehme Pappelallee ist!“
„Etwas Schamgefühl hat sie wenigstens noch im Leibe,“ sagte die zunächst stehende Pappel.