Und alle die andern Bäume der Allee rauschten ihr Beifall zu.

„Du denkst zu viel nach,“ sagte der Holunderstrauch. „Je mehr Gedanken man sich macht, desto schlimmer wird die Sache. Ich wäre längst in die Erde geraten, wenn ich all den Verlusten nachweinen wollte, die ich schon erlitten habe.“

„Ja, das hat nichts zu sagen,“ meinte der Weidenbaum. „Ein jeder hat seine Art, und ich habe die meine. Ich denke gar nicht daran, die Hände in den Schoß zu legen; aber ich weiß, daß ich ein Krüppel bin und nie etwas anderes werden kann. Ich hatte zuerst geglaubt, daß meine langen Zweige dort oben eine neue Krone bilden würden; aber das waren bloß Dummheiten. Sie wachsen und breiten sich aus und grünen, und mehr wird nicht aus ihnen. Und dann fühle ich auch selber recht gut, daß ich zu verfaulen beginne.“

„Was sagst du?“ rief der wilde Rosenstrauch erschrocken.

„Verfaulst du?“

„Ja — das ist das Schlimmste,“ sagte der Holunderstrauch.

„Sie liefert dem Park ihre tiefsten Geheimnisse aus,“ sagte die nächste Pappel entrüstet. „Wir wollen uns recken und wollen rauschen, liebe Alleebrüder.“

Und alle die Pappeln rauschten.

„Ich verfaule,“ sagte der Weidenbaum. „Ich verfaule an der Spitze. Wie sollte es auch anders sein? Da oben steht ein See im Sommer, im Winter liegt Schnee darin und jetzt feuchte Erde. Ich merke ganz deutlich, daß das Loch immer größer wird und immer tiefer in mich hinabreicht. Mein Holz vermorscht. Die Rinde ist noch gut; und ich freue mich, daß sie sich noch hält. So kann der Saft aus meinen Wurzeln in meine lieben, langen Zweige hinausströmen. Na ... ich denke, die Vögel werden trotzdem wie gewöhnlich kommen und mich besuchen; und die bringen ja Erde mit, so daß immer mehr hinzukommt, je tiefer das Loch wird. Auch für die Düngung sorgen sie. Und welke Blätter fallen auf meinen armen, verstümmelten Wipfel. Ich glaube auch bestimmt, daß ich einen Regenwurm da oben habe. Wie der dorthin gekommen ist, weiß ich nicht. Vielleicht hat ein Vogel ihn aus dem Schnabel verloren. Aber er zieht die Blätter in den Boden herab, frißt sie und macht sie zu Erde. Drum sage ich wie der Holunderstrauch: es wird schon alles gut werden.“

„Du wirst also hohl?“ fragte die Eiche.