„Allerdings,“ antwortete die Weide. „Daran läßt sich nichts ändern. Man spricht ja sonst nicht von diesen Dingen; aber der Löwenzahn war so betrübt. Und niemand soll mir nachsagen können, daß ich eine anständige Blume in Pension genommen hätte und sie dann umkommen ließe vor Angst.“
„Hat man je einen Baum so reden hören?“ meinte die Eiche.
„Nein, das muß ich auch sagen,“ fiel der wilde Rosenbusch ein.
„Jetzt glaube ich selber nicht, daß es noch lange so weitergehen wird,“ fügte der Holunderstrauch hinzu.
Aber der Löwenzahn sagte: „Hab’ Dank, du lieber, alter Weidenbaum! Jetzt wachse ich getrost weiter. Ich habe ja bloß für dieses Jahr zu sorgen. Wenn ich meine Samen mit ihren kleinen Fallschirmen in die Welt gesandt habe, so habe ich getan, was von mir verlangt wird. Es würde mich freuen, wenn einer von ihnen hier bleiben und bei dir wachsen wollte.“
„Vielen Dank,“ erwiderte der Weidenbaum.
„Sie läßt sich vom Rosenbusch und vom Holunder trösten ... Sie bedankt sich beim Löwenzahn ... So eine ist verwandt mit uns ... Wie abscheulich!“ zeterte die nächste Pappel.
„Abscheulich ... abscheulich ... abscheulich!“ rauschte es die Allee entlang.
Es wurde Abend und Nacht; und alle schliefen. Der Wind hatte sich gelegt, so daß in den Pappeln nicht das leiseste Rauschen mehr zu hören war. Doch die Eiche auf der Anhöhe im Felde rief den Weidenbaum an:
„Pst ... pst ... Weidenbaum ... schläfst du?“