„Ich kann nicht schlafen,“ klagte der Weidenbaum. „Es rumort und nagt und sickert und siedet in meinem Innern. Ich spüre, wie es tiefer und tiefer hinabsinkt ... ich weiß nicht, was das ist; aber es macht mich so melancholisch.“
„Du wirst hohl,“ sagte die Eiche.
„Vielleicht ist es das,“ sagte der Weidenbaum bekümmert. „Daran ist ja nun einmal nichts zu ändern. Niemand entgeht seinem Schicksal.“
„Hör’ einmal, Weidenbaum,“ entgegnete die Eiche. „Im Grunde kann ich dich nicht leiden.“
„Ich weiß nicht, daß ich dir etwas getan hätte,“ sagte der Weidenbaum.
„Das ist wohl möglich,“ erwiderte die Eiche. „Mir scheint nur, du hast dich von Anfang an, als du noch ein Steckling warst, ziemlich aufgespielt. Aber es mag sein, wie es wolle. Du hast mir so entsetzlich leid getan, als ich hörte, daß du angefangen hast, hohl zu werden. Gib nur ja acht, das will ich dir sagen! Das ist ein gräßliches Unglück.“
„Ich weiß wahrhaftig nicht, wie ich mich benehmen soll, um es zu verhindern,“ sagte der Weidenbaum.
„Das weiß ich ebensowenig,“ erwiderte die Eiche. „Aber ich sage trotzdem: gib acht! Sieh zu, ob du die Vögel, die dich besuchen, nicht veranlassen kannst, all die Erde aus dem Loch in deinem Kopf herauszuscharren, bevor es allzu tief wird.“
„Ich kann doch dem Löwenzahn nichts anhaben,“ sagte der Weidenbaum. „Noch hat es wohl keine Gefahr. Meine Zweige grünen und gedeihen, und meine Wurzeln saugen Kraft auf. Solange die Wurzel gut ist, ist alles gut, wie du weißt.“