„Gib nur acht,“ sagte die Eiche. „Du weißt nicht, was auf dem Spiele steht; aber ich weiß es. Ich will dir etwas sagen: Ich habe einen alten, hohlen Onkel.“

„So?“ fragte der Weidenbaum eifrig. „Ja, in jeder Familie gibt es ja etwas Trübes. Du hast den Onkel, und die Pappeln haben mich.“

„Du ahnst nicht, was für ein Leben er führt,“ erzählte die Eiche. „Er ist fürchterlich alt und fürchterlich hohl. Ja, in gewisser Beziehung gleicht er dir; aber es ist viel, viel schlimmer um ihn bestellt. Es ist nichts von ihm übrig als eine ganz dünne Rinde und dann ein elender Ast am Wipfel. Auch fast alle seine Wurzeln sind tot. Und stets ist er voller Eulen, Fledermäuse und andern Getiers. Er führt ein fürchterliches Leben.“

„Es tut mir leid, das zu hören,“ versicherte der Weidenbaum.

„Ich sage bloß: Nimm dich in acht!“ wiederholte die Eiche.

*

Und die Jahre kamen und schwanden, und die Zeit verstrich.

Immer tiefer verfaulte der Weidenbaum, und das Loch füllte sich mit Erde, und es kamen immer mehr Gäste herzu. Im Frühjahr stand auf einmal ein kleiner, feiner Schößling da, den der Weidenbaum willkommen hieß, in dem Glauben, es sei ein Löwenzahn.

„Na,“ fragte der Schößling. „Wofür siehst du mich an?“

„Ich habe die allerbeste Meinung von dir,“ erwiderte der Weidenbaum. „Aber du bist ja noch so klein. Darf ich mich nach deinem Namen erkundigen?“