„Das könntest du nicht,“ sagte die Eiche. „Denn du bist hohl und wirst mit jedem Tage hohler. Deine langen Zweige sind in diesem Jahr auch nicht so grün wie im vorigen. Du wirst meinem unglücklichen Onkel immer ähnlicher. Es geht zu Ende mit dir, Weidenbaum.“
„Vielleicht hast du recht,“ antwortete der Weidenbaum. „Niemand entgeht seinem Geschick. Ich fühle selber, daß meine Rinde dünner und dünner wird, und unten ist sie schon an zwei Stellen durchlöchert.“
„Weg mit ihm!“ sagte die nächste Pappel. „Er ist ein Schandfleck für die Familie.“
„Weg ... weg ... weg,“ rauschte es die Allee entlang.
*
Die Zeit verstrich; und es war unbegreiflich, daß der alte Weidenbaum noch am Leben war.
Die Borke war in großen Stücken herabgefallen, die Löcher unten waren immer größer geworden, so daß der Fuchs eines Tages zu dem einen herein- und zum andern hinausschlüpfen konnte. Die Mäuse zernagten das morsche Holz. Von den obern Zweigen waren nur noch drei, vier Stück übrig; und sie waren so dünn und so arm an Blättern, daß es ein Jammer war.
Doch der Garten oben in seinem Wipfel gedieh wie nie zuvor.
Die Erdbeere trug große Blüten, daraus schwere, rote Beeren wurden. Und auch der Johannisbeerstrauch war aufgeschossen und trieb seine erste Frucht. Die Löwenzahnpflanzen erglänzten im schönsten Gelb; auch ein kleines blaues Veilchen war hinzugekommen, ferner eine rote Gauchheilblüte, die sich nur gegen Mittag öffnete, wenn die Sonne am stärksten schien, und eine große Roggenähre, die sich im Winde bog.