„Es wird immer besser,“ sagte der wilde Rosenstrauch. „Wenn du auch Unglück gehabt und deine Krone verloren hast, so kannst du doch sagen, daß das Schicksal dir geneigt war und dir Ersatz gab.“

„Das sage ich wahrhaftig auch,“ entgegnete der Weidenbaum. „Wenn ich nur all das Glück ertragen kann! Meine Rinde wird immer dünner und dünner; und mit jedem Jahr verliere ich ein paar Zweige.“

„Es nimmt ein schlimmes Ende,“ prophezeite die Eiche. „Ich habe dich gewarnt ... denke an meinen armen, alten, hohlen Onkel!“

„Es endigt wohl so wie immer,“ sagte der Holunderstrauch. „Entweder so oder so; es bleibt sich gleich. Aber ich glaube, der Weidenbaum ist noch zu etwas gut.“

„Es ist nicht mehr zu sehen, daß er mit zur Familie gehört,“ sagte die nächste Pappel. „Seine Zweige verwelken mehr und mehr, und er fächelt nur noch mit fremden Zweigen und Blättern. So ist es gut. Wir lassen uns nichts davon merken, daß er zu uns gehört ... pst!“

„Pst ...pst ... pst!“ flüsterte es die Allee entlang.

Eines Abends kroch der Regenwurm dort oben hervor. Bisher hatte er sich aus Furcht vor den vielen Vögeln, die herbeikamen, stets unten in der Erde gehalten. Er war so lang und dick und fett, wie ein Regenwurm nur sein kann.

„Nein, sieh mal an, guten Tag, lieber Regenwurm,“ rief der Weidenbaum. „Ich wußte wohl, daß du hier seist, aber ich habe bisher noch nicht das Vergnügen gehabt, dich zu sehen. Es freut mich, daß du bei mir so gut gedeihst. Wie bist du eigentlich hier heraufgekommen?“

„Daran war die Schwarzamsel schuld,“ sagte der Regenwurm. „Die hat mich aus ihrem Schnabel verloren. Das heißt, sie hatte nur die Hälfte von mir gepackt. Der Rest verzog sich in die Erde hinab; darum war ich nur halb, als ich kam.“

„Willkommen warst du trotzdem,“ sagte der Weidenbaum. „Es macht mir nichts aus, ob du ganz oder halb bist. Ich selber habe ja meine Krone eingebüßt und werde immer ein unglückseliger Krüppel bleiben. Aber du hast dich also wieder erholt?“