„Ach ja,“ entgegnete der Regenwurm. „Das geniert mich nicht im mindesten, wenn sie mir ein Ende abhacken. Es wächst gleich wieder heraus, wenn man mich nur in Ruhe läßt. — Aber weißt du, was das für ein kleiner Schößling ist, der hier neben mir mit dem sonderbaren dicken Hut auf dem Kopfe hervorsprießt?“

„Ich kenne ihn nicht,“ sagte der Weidenbaum. „Ich bin ja mit den Jahren schwach geworden und kann mich in all dem, was in mir wächst, fast gar nicht mehr zurechtfinden. Kennst du ihn denn?“

„Gewiß,“ sagte der Regenwurm. „Ich selber habe ihn vor Jahren in die Erde heruntergezogen. Er hing mit einem Blatt und einem Stengel zusammen; und Blatt und Stengel habe ich gefressen, aber mit dem Burschen habe ich nicht fertig werden können. Es war nicht so verwunderlich, denn es war eine Eichel. Jetzt ist sie ausgekeimt ... Es ist eine kleine Eiche.“

„Eine Eiche!“ wiederholte der Weidenbaum ehrerbietig.

„Die Eichel ist von dem starken Sturme herübergeweht worden, der vor zwei Jahren im Herbst geherrscht hat,“ erzählte der Regenwurm. „Ich erinnere mich noch ganz deutlich daran, weil du so knarrtest, daß ich glaubte, es wäre mit uns allen zu Ende.“

„Was sagst du?“ fragte die Eiche auf der kleinen Anhöhe im Felde. „Wächst eins von meinen Kindern bei dir?“

„Ja,“ erwiderte der alte Weidenbaum. „Es ist wirklich eine kleine Eiche. Welche große Ehre für mich!“

„Verrücktheit!“ sagte die Eiche. „Sie muß ja sterben.“

„Sterben müssen wir alle,“ fügte der Holunder hinzu.

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