Es wurde oben ein eisernes Band um den Stamm des Weidenbaums gelegt, und unten wurde ein Staket angebracht. So oft der Gutsherr mit Gästen durch die Allee fuhr, ließ er den Wagen vor dem Weidenbaum halten.
„Ja ... die Allee ist sehr nett,“ sagte er. „Doch es sind ja bloß ganz gewöhnliche Pappeln. Aber hier will ich Ihnen etwas ganz Merkwürdiges zeigen ... Ja, es sieht aus wie ein alter Weidenstumpf, aber kommen Sie bloß mal hierher ...“
Einer nach dem andern stieg dann aus dem Wagen aus, und sie traten auf den Stein und bewunderten den Garten im Wipfel des Weidenbaums.
„Hätte ich nicht das Eisenband, so würde ich bersten,“ sagte der Weidenbaum. „So viel Ehre und Glück für einen so elenden Krüppel wie mich! Denkt einmal .... der Gutsherr ist heraufgestiegen und hat Erdbeeren bei mir verzehrt! Und all die fremden Gäste auf dem Gut bekommen mich zu sehen.“
„Unglaublich,“ sagte die Eiche. „Es ist ja genau so, als ob ein Preis auf das Hohlwerden gesetzt wäre.“
„Es ist ein Märchen,“ sagte der wilde Rosenstrauch. „Ich will es jedem Vogel erzählen, der sich auf mir niederläßt, damit er es der ganzen Welt verkünden kann.“
„Es ist so gekommen, wie ich gesagt habe,“ meinte der Holunderstrauch.
Doch die Schwarzamsel erklärte: „Wenn man die Sache bei Licht besieht, so bin ich es sozusagen gewesen, der das Märchen in Szene gesetzt hat. Aber ich habe, offen gestanden, mehr von den alten Zeiten gehalten. Da hatte man seine Ruhe hier oben. Jetzt riskiert man jeden Augenblick, daß dieser oder jener den Kopf heraufsteckt und sagt: ‚Nä!‘ und ‚Ah!‘ und ‚Oh!‘“
„In meinem ganzen Leben ist mir so etwas noch nicht vorgekommen,“ sagte die nächste Pappel. „Habt ihr gehört, was der Gutsherr von seinen stolzen, vornehmen Pappeln gesagt hat? Von uns, die wir am Wege Posten gestanden haben Sommer und Winter, Jahr für Jahr? ... Ganz gewöhnliche Pappeln hat er uns genannt. Und nun dieser widerwärtige, simple Weidenbaum ... der alte, verfaulte Stumpf ... mit dem wir noch obendrein verwandt sind ... Uh!“