„Ja, was ist denn Besonderes an den Menschen? Soweit ich sehe, sind sie nicht anders als alle die andern. Tiere, Pflanzen und Menschen ... das alles ist für mich ein und dasselbe. Ich stehe über all dem. Ich bin der Fäulnisbazillus. Ich bin eine Großmacht.“
„Pardon,“ warf der Cholerabazillus ein. „Ich halte mich gleichfalls für eine Großmacht.“
„Ich auch,“ rief der Diphtheriebazillus.
„Und ich desgleichen,“ meinte der Tuberkelbazillus.
„Sehr wohl,“ sagte der Fäulnisbazillus. „Ich gebe zu, daß die Herren Großmächte gewesen sind. Es hat Zeiten gegeben, wo Sie die Welt regierten, wohin Sie immer kamen. Sie jagten den Lebewesen Schrecken ein und töteten sie. Niemand konnte Sie verstehen, niemand Ihnen Widerstand leisten. Aber jetzt ist Ihre Zeit vorbei. Sie sind entdeckt, und Sie werden bekämpft. Und Sie haben keine Freunde, die Sie verteidigen können. Es ist nicht schwer vorauszusagen, daß Sie binnen kurzem aus der Welt ausgerottet sein werden.“
Die drei Bazillen ließen die Köpfe hängen. Sie waren wütend, aber sie wußten nichts darauf zu erwidern; denn es war ihnen klar, daß der Fäulnisbazillus recht hatte.
„Mich haben Sie gar nicht erwähnt,“ sagte der Gärungsbazillus und sah so gekränkt aus, wie er nur konnte.
„Sie sind ein ganz tüchtiger Kerl,“ erwiderte der Fäulnisbazillus. „Sie sind auf dem Gipfel Ihrer Macht. Vielleicht dauert es lange, vielleicht auch nicht. Jedenfalls aber können Sie sich nicht mit mir vergleichen.“
„Hat man je so etwas gehört!“ rief der Cholerabazillus.
„Pardon,“ sagte der Gärungsbazillus. „Wie dumm, daß ich Sie unterbrechen muß, aber ich sehe mich gezwungen, es zu tun, indem ich Ihnen die Mitteilung mache, daß ich jetzt sterben werde.“