„Ich bin der Tautropfen an der Blume, die Wolke am Himmel und der Nebel auf der Wiese,“ begann der Nebel.

„Was ist das?“ sagte die Nachtviole. „Willst du das nicht noch einmal sagen! Den Tautropfen kenne ich. Der setzt sich jeden Morgen auf meine Blätter: und mir scheint, er gleicht dir gar nicht.“

„Ja, und doch bin ich es,“ sagte der Nebel betrübt. „Aber keiner kennt mich. Ich muß mein Leben in mancherlei Gestalten zubringen. Manchmal bin ich Tau, und manchmal bin ich Regen, und manchmal riesle ich als klare, kühle Quelle durch den Wald. Aber wenn ich am Abend auf der Wiese tanze, dann sagen die Menschen: der Fuchs braut.“

„Das ist eine sonderbare Geschichte,“ erklärte die Nachtviole. „Möchtest du sie mir nicht erzählen? Die Nacht ist so lang, und ich langweile mich zuweilen wirklich ein wenig.“

„Es ist eine traurige Geschichte,“ erwiderte der Nebel. „Aber ich will sie dir gern erzählen.“

Damit wollte er sich niederlegen, aber die Nachtviole bewegte erschrocken alle ihre Blätter.

„Sei so freundlich und bleib mir ein paar Schritt vom Leibe,“ sagte sie, „wenigstens bis du dich ordentlich vorgestellt hast! Ich bin nie gern gleich mit Leuten intim gewesen, die ich noch nicht kenne.“

Da ließ sich der Nebel ein Endchen weiter weg nieder und fing an zu erzählen:

„Dann lag er ein Weilchen ganz still da ...“