Der Regenwurm und der Storch.

Mitten in einem alten Garten lag einmal ein altes Haus, und rings um den Garten dehnten sich grüne Wiesen, soweit man sehen konnte.

Das Haus hatte ein Strohdach und war ganz mit Efeu überwachsen. Die Ranken krochen über das Dach bis zum Schornstein hin und über diesen weg und hingen vor den Fenstern wie dichte, grüne Gardinen hinab, so daß beinahe gar kein Lichtstrahl in die Stuben hineinschlüpfen konnte.

Das machte freilich nichts aus, denn das alte Haus war leer.

Vor vielen Jahren hatte ein Pastor darin gewohnt; als aber seine Frau und seine beiden kleinen Jungen infolge der Feuchtigkeit gestorben waren, reiste er fort; und seitdem wollte niemand mehr dort wohnen. Das Haus lag einsam und verlassen da, die Wände waren schimmlig vor Feuchtigkeit, der Keller stand voll Wasser, und die Fußböden verfaulten. Im Garten wuchsen die Bäume, wie sie Lust hatten, und das Gras wucherte wild auf allen Wegen.

Doch draußen auf den Wiesen weideten und brüllten im Sommer die Kühe, und die Frösche quakten am Abend munter in den tiefen Gräben. Wenn die Erntezeit heranrückte, kamen die Knechte oben vom Gute, mähten das Gras und banden es zusammen und fuhren es nach Hause. Dann wurde es Herbst, und der Sturm heulte, und die Blätter fielen von den Bäumen im Garten. Und dann kam der Winter, und der Schnee lag auf dem alten, toten Hause und den großen Wiesen.

Doch wenn der Schnee geschmolzen war, und die Wiesen wieder grün wurden, und das Frühjahr seinen Einzug hielt, dann kam der Storch.

Er hatte sein Nest seit langer Zeit auf dem Dache des alten Hauses gehabt und seine Sommerwohnung da oben behalten, als der Pastor auszog. Die Feuchtigkeit drang nicht so hoch hinauf, und im übrigen war die Wohnung ganz nach seinem Geschmack. Ruhig konnte er auf den Gartenwegen spazierengehen, das ganze Haus hatte er zu seiner Verfügung; und anderswo hätte er lange suchen müssen, um so viele Frösche zu finden, wie auf den großen Wiesen. Er wußte auch recht gut, daß er den besten Storchbezirk im ganzen Lande hatte, und machte sich in jedem Frühjahr schleunigst auf den Weg dort hinauf, daß kein anderer Storch ihm zuvorkäme.