Ein paar Tage später ging der Storch wieder auf dem Wege spazieren, wo er mit dem Wurm geredet hatte.

„Regenwurm!“ rief er; aber niemand antwortete ihm.

„Regenwurm, komm herauf! Ich will mit dir reden!“

„Ich wag’ mich nicht hervor,“ erwiderte der Regenwurm schließlich unten aus seinem Loche.

Aber da wurde der Storch sehr böse. Er schlug so stark er konnte, mit seinem großen roten Schnabel auf die Erde, und der Wurm kam herauf und krümmte sich in größter Angst und Untertänigkeit.

„Will Er wohl kommen, wenn ich rufe!“ gebot der Storch streng auf einem Bein stehend. „Weiß Er nicht, wer ich bin, und wer Er ist? Weiß Er die Ehre, die ich Ihm erweise, wenn ich mich mit Ihm unterhalte, nicht besser zu würdigen?“

„Werdet nicht böse, Ew. Hochwohlgeboren!“ bat der Wurm. „Ich hatte so große Angst; und Ihr sagtet selbst, ich solle mich in acht nehmen, Euch zu begegnen, wenn Ihr hungrig wäret.“

„So ist es!“ sagte der Storch stolz. „Aber erzähle mir jetzt ein wenig von deinem Leben! Ich langweile mich, und uns vornehmen Herren schadet es nicht, wenn wir das Leben in den niederen Volksschichten kennen lernen.“

„Was soll ich erzählen? Es würde Euch ja doch nicht interessieren,“ sagte der Wurm bescheiden. „Ich rackere mich ab, seitdem ich auf der Welt bin; und bis man mich frißt, pflüge ich die Erde um und lege Gräben an ...“

„So so!“ sagte der Storch freundlich. „Du bist es, der die Gräben gräbt, in denen die Frösche sind?“