„Hast du vor, die Wohnung zu wechseln?“ fragte die Krabbe.
„Das muß man ja von Zeit zu Zeit,“ entgegnete der Einsiedlerkrebs. „Man wächst ja.“
„Ja, das bleibt ewig wahr. Die Wachstumsgeschichte ist das größte Unglück. Die anderen Geschöpfe wachsen nach und nach und merken es nur daran, daß sie größer werden und mehr Appetit bekommen. Aber wir armen Krebse müssen es unsrer harten Schalen wegen auf einmal abmachen. Es ist noch gar nicht so lange her, seitdem ich die alte Schale abgeworfen und ganz weich und unglücklich dagestanden habe. Das kleinste Sandkorn, das ich berührte, tat mir weh. Oh, wie verdrießlich war ich da; und Appetit hatte ich auch nicht! Volle vierzehn Tage lang hab’ ich unter einem großen Stein gehockt und wäre vor Angst beinah gestorben. Wäre der kleinste Stichling gekommen, so hätte er mich umbringen können. Es ist eine aparte Sache.“
„Ja, mit meinen Scheren ist es genau so,“ sagte der Einsiedlerkrebs.
„Mit deinem Hinterleib verhält es sich wohl auch nicht anders,“ sagte die Krabbe.
„Mein Hinterleib hat keinen Schild,“ erwiderte der Einsiedlerkrebs. „Was sollte er auch damit? Er liegt ja wohlverwahrt im Schneckenhause. Für ihn brauche ich keinen Kalk und kann meine Scheren desto stärker machen.“
„Wie apart!“ sagte die Krabbe. „Es interessiert mich außerordentlich, das zu hören. Ich bin auf alles Aparte versessen. Ich bin selber apart. Onkel Hummer geht rückwärts, und Cousine Garnele hüpft. Mich lachen sie aus, weil ich einen seitlichen Gang habe. Aber nun sage mir einmal Vetter ... denn ich darf dich doch wohl Vetter nennen?“
„Ja, was liegt mir daran!“
„Sag’ mir einmal, Vetter ... wenn du nun umziehst, suchst du dir dann einfach ein neues Schneckenhaus?“