„Ja, ich bin eine Brennessel,“ sagte die Seeanemone. „Du hättest mir fernbleiben sollen.“

Da schüttelte der Einsiedlerkrebs seine Fühler und putzte sie ächzend. Die Seeanemone aber freute sich und fächelte munter mit ihren schönen Blättern.

„Was wolltest du von mir? Warum warst du so naseweis?“

„Warum sollte ich zurückhaltend sein? Ich konnte ja nicht wissen, ob du nicht ein guter Happen für mich wärest. Noch bin ich eigentlich nicht hungrig, aber für einen guten Bissen habe ich stets Platz.“

„Mir geht es genau so,“ sagte die Seeanemone seufzend. „Ich weiß mich gar nicht mehr zu entsinnen, daß ich jemals richtig satt geworden bin. Sähest du nicht so verflucht hart aus, dann fräße ich dich.“

„Na, nur immer sachte,“ sagte der Einsiedlerkrebs. „Ich lasse mich denn doch nicht so mir nichts dir nichts fressen. Aber wenn ich auch außen hart bin, in meinem Innern bin ich dafür um so weicher. Du kannst dir keinen Begriff davon machen, was für einen leckeren Schwanz ich in dem Schneckenhause habe!“

„Laß mich ihn sehen!“ sagte die Seeanemone.

„Pah!“ rief der Einsiedlerkrebs. „Du würdest ihn mit deinen Brennesseln einklemmen und fressen.“

Die Seeanemone leugnete es nicht: „Natürlich. Dazu hab’ ich ja meine Brennesseln; das sind übrigens meine Fangarme, denn ich bin gar keine Pflanze, sondern ein richtiges, gefräßiges Tier wie du selber.“

„Ich mag dich gut leiden,“ sagte der Einsiedlerkrebs. „In dir steckt keine Hinterlist.“