„Das ist wahr. Die allermeisten meiner Geschwister sind von den Fischen gefressen worden. Die Fische haben sie zu Hunderten in einem Mundvoll genommen und gleich verschlungen. Wenn ich nachdenke, so ist es das reine Wunder, daß ich entwischt bin.“

„Dasselbe sage ich. Also in dieser Hinsicht sind wir jetzt eigentlich besser daran. Man hat Lebenserfahrung. Man kann sich vorsehen. Man hat Waffen und kann um sich beißen, wenn ein Feind herankommt.“

„Das sind wahre Worte,“ sagte der Einsiedlerkrebs.

„Und dann ist da noch etwas,“ fuhr die Seeanemone fort. „Man kann viel mehr fressen als damals, und man frißt mit viel mehr Verstand.“

„Sehr richtig,“ sagte der Einsiedlerkrebs. „Das ist mir aus der Seele gesprochen.“

„Streng genommen, weiß man nicht, was fressen heißt, bis man großjährig wird und seine endgültige Gestalt annimmt.“

„Nein. Alles in allem ist der ruhige Tagesverlauf viel mehr wert als das Getümmel und Vergnügen der Jugend.“

Dann sprachen sie noch eine Weile zusammen und erfreuten sich mehr und mehr aneinander. Aber ein jeder hält sich sorgsam für sich und war stets auf dem Posten. Und durch diese Vorsicht stiegen sie noch höher in der gegenseitigen Achtung. Dann gingen sie zur Ruhe und schliefen. —

Sie ruhten so lange, bis sie sich wieder frisch fühlten, denn da unten auf dem Meeresgrunde gibt es weder Tag noch Nacht; dort scheint nicht Sonne, nicht Mond. Als sie also erwachten, schloß der Einsiedlerkrebs sein Haus auf und steckte Haupt und Scheren heraus, und die Seeanemone entfaltete ihre ganze, strahlende Blüte.

„Guten Morgen,“ sagte der eine.